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brauchte, die sowohl der Tageszeit als dem Stoff und demSinn nach schwer unterzubringen war, so stellte sich dasden dampfenden Wohlgeruch versinnlichende Wort nicht un-gelegen ein. Wenn ich nicht irre, ist es zunächst fürOffiziersgelage angewendet worden und möchte vielleichtvon der Marine abstammen. Bei der jüngsten franko-russischen Verbrüderung, die mit sechzehn Frühstücken undMittagsessen unmöglich ihren Herzensdrang befriedigenkonnte, wurden auch die „?unoti" uoch in die schwer zufindenden Lücken eingeschoben. Den llvk o'oloLl: tsa, wel-chen die französische Damenwelt auch schon von drüben her-über geholt hatte — das dritte englische Wort also für eingemeinsames Trinken — konnte man den nordischen See-helden nicht wohl anbieten, und die fünfzig Millionen russi-scher Weiblichkeit — alles bewundernswerte Geschöpfe! —mußte man sich begnügen, aus der Ferne zu feieru und zuverehren. Dabei fällt mir ein, wie merkwürdig es ist, daßunser großer Dichter bei seinem berühmten Lied auf denPunsch in einen etymologischen Widerspruch geraten ist.Denn während er bekanntlich die Verherrlichung der ele-mentaren Vierzahl seinem Gesang zu Grunde legt, bedeutetdas Wort Punsch ganz genau die Zahl fünf, und Punsch-lied müßte eigentlich übersetzt werden: Fünflied. Unserdeutsches Wort fünf so gut wie das griechische xsutg. unddas lateinische quin^us mit allen ihren Ableitungen kommtnämlich direkt vom sanskritanischen ?ÄQLti!Z. her, das, wiewir aus unserem geographischen Unterricht wissen, auch demLand der fünf Ströme, dem Pendschab, seinen Namen ge-geben hat. Punsch heißt das Getränk, weil es ursprüng-lich aus fünf, nicht aus vier Ingredienzien gebraut wurde.Dies Fünfte war nämlich der Zimmt, welcher also schonzu Schillers Zeit der Vergessenheit anheimgefallen seinmußte. Der Zimmt ist überhaupt von der Höhe seines