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früheren Ruhmes herabgestiegen. Noch vor fünfzig Jahrenspielte er in der Küche und in der Znckerbäckerei einewichtigere Rolle als heute, wie denn überhaupt ohne Zweifelmit einer Verfeinerung der Nerven eine Menge -von Ge-würzen teils ganz ausgeschieden, teils in ihrer Verwendungsehr eingeschränkt worden sind. Bei unseren Großmütterngalt es noch für sehr fein, etwas Vanille dem Thee zuzu-setzen, und wer die teuren Stengel nicht erschwingen konnte,half sich ganz verschämt mit Zimmt, ein Gedanke, der heutewohl einer Waschfrau Schauder erregen würde. Es kamauch vielfach vor, daß die Krämer dem Thee, um ihm einenedlen Parfüm zu geben, einen leisen Anfing von Berga-mottöl beibrachten. Wenn man die Geschichte des Ge-schmacks in allen Dingen zurückverfolgen will, kann manviel aus der Beobachtung auf dem Platten Lande schöpfen,wo die Wandlung erst auf Distanz nachfolgt. Kommt manbei uns auf ein Dorf, so wird in dem Maß, als der Gastgeehrt werden soll, die Suppe mehr oder minder stark nachMuskatnuß schmecken, wie das ehemals wohl allgemein derFall war. Muskat, Cardamom, Ingwer, Coriander, dasalles gehörte zum eiserneu Bestand einer guten bürgerlichenKüche, an Nelken wurde nicht gespart — lauter Dinge, dieheute nur in ganz bescheidenen Dosen figurieren. Es magsein, daß die Mannigfaltigkeit und Stärke der Gewürze inder Zeit, da der Handel des Mittelalters sie zuerst ausdem Orient nach Europa brachte — und man weiß, welcheRolle sie in diesem Handel spielten — einen größerenZauber auf den Gaumen ausübten und daß sich das dieJahrhunderte lang fortpflanzte, nur ganz allmählich sichabstumpfend, oder vielmehr der Verfeinerung des Nerven-systems weichend. War es doch nicht anders mit den Wohl-gerüchen und Schminken! Vermutlich würde man uns mitden Bisambüchsen des siebenzehnten Jahrhunderts heute