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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Wunsch geäußert, etwas Genaueres über die Geschichte desToastens in England zu erfahren. Ich habe mich beimeinem längeren Aufenthalt in diesem Lande bemüht, diesenDingen nachzugehen, und schicke Ihnen als Ergebnis bei-liegende Sachen. Außer dem Buch befand sich bei derSendung noch eine Anzahl sehr sorgfältig gemachter Ab-schriften aus anderen Werken über dasselbe Thema. Daßich von solcher Aufmerksamkeit lebhaft gerührt war, wirddie gütige Leserin verstehen (darum habe ich mich obenspeziell an sie gewendet), wenn schon ich aus natürlicherDiskretion alle die edle Geberin im übrigen zierenden Vor-züge verschweige. Mit begreiflicher Spannung machte ichmich an die nähere Bekanntschaft mit dem neuen Material.Als Verfasser stand auf dem Titel des Buches genannt:

RkvsrsQä Niekarä Valx^ ?rknvli v. v. I.., L.R-sotor oif Lüg,nrns,rtüi g.ncl ^ilorieli. Der Mann istalso ein Geistlicher, Doktor und Mitglied einer illustrenGesellschaft, er amtiert im englischen Welschland. DerVerlag befaßt sich mit der Spezialität der Mäßigkeits-vereiue, und in deren Sinn und Dienst ist die Abhandlunggeschrieben, doch tritt der heilige Abscheu gegen die geistigenGetränke erst am Schluß hervor. Bis dahin ist das Themaeher mit Liebe behandelt. Soweit war alles gut.

Aber bei näherer Besichtigung entdeckte ich, daß derVerfasser an einem schrecklichen Fehler litt, den ich nur zugut kenne, weil er auch zu den meinen gehört. Er hatsich nämlich von seinem Gegenstand verführen lassen, zuweit auszuholen. Bei der litterarischen Behandlung einesStoffes geht es nicht wie sonst im Leben, wo sich derArme beschränken muß und der Reiche sich gehen lassenkann. Hier gilt das Umgekehrte. Wer einen reichen Stoffunter den Händen hat, muß sich beschränken lernen, weres mit einem bescheidenen zu thun hat, darf sich gehen

Lud vig Bamberger's Gcs, Schriften. I. .