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lassen. Und wie groß war gerade bei diesem Stoff dieVersuchung, vom einen zum anderen, vom Hundertsten insTausendste zu geraten! Man denke sich: Hauptthema dasReden beim Trinken, oder vielmehr das Trinken mit Reden.Die ganze Geschichte des Trinkens und die ganze Geschichtedes Redens öffnete ihre Pforten rückwärts bis zur Sint-flut. Und unser Mann Gottes hat sich nicht einmal vonder Sintflut aufhalten lassen. Umgekehrt wie jener Richterim Stücke Racines, der den seine Rede mit der Schöpfunganhebenden Advokaten drängt, wenigstens bis zur Sintflutvorwärts zu kommen:
Advokat: ^vs,nt Is, ns-issÄneg 6u, mooäg . . .Richter: L,voog,t>, all! xassons au äslu.xs
geht er in seinem Entdeckungseifer hinter dieselbe zurück.Die Frage ist freilich eine höchst interessante: Hat Noah erstnach der Sintflut angefangen Wein zu pflanzen? Gemein-hin wird die Sache so aufgefaßt. Aber einige theologischeund sprachliche Sachkenner sind anderer Ansicht. Gestütztauf den Wortlaut der Genesis (IX. 20), insbesondere inVerbindung gebracht mit einer Stelle in Matthäus (XXIV.Z7—39), die mir entschieden zu ihren Gunsten zu sprechenscheint, behaupten sie lesen zu müssen, Noah habe lediglichfortgefahren, seinen Wein zu bauen wie ehedem. Und soschließt daraus nun unser Müßigkeitsapostel ganz fein: hatNoah schon vorher Wein gepflanzt, so hat er auch schonvorher getrunken, und hat er getrunken, so guckte er wohlauch zuweilen etwas zu tief ins Glas — kurz und gut, erwar em Säufer, daher ein Sünder, und darum schickteGott , um die Welt und ihn zu strafen, die Flut, in deralles andere begraben wurde. Schon damals hätte, recht-zeitig organisiert, eine richtige Mäßigkeitsgesellschaft allesUnglück verhüten können — also homöopathisch ausgedrückt: