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meister Englands , ein Brauch, der übrigens bereits 1100Jahre vor Christi Geburt aus chinesischen Erzählungen an-geführt wird. Was bei dem raffinierten Luxus der antikenWelt besonders auffällt, ist die Sitte, beinah liegend nichtnur zu essen, sondern auch zu trinken, und das Merkwürdigedabei ist, daß diese Gewohnheit nicht eine primitive war,sondern wie die Forschung bezeugt, das Sitzen ursprünglichim Gebrauch war und erst später dem des Liegens ge-wichen ist. Wie langsam hat sich überhaupt in der Mensch-heit gerade der Teil der Kultur entwickelt, welcher aus denzwei wichtigsten Elementen zusammengesetzt ist, Bequemlich-keit und Reinlichkeit. Die Gabel ist kaum seit dreihundertJahren beim Essen im Gebrauch. Wie muß man infrüheren Jahrhunderten im Winter gefroren haben! AmHofe des prachtliebenden Ludwigs XIV. litt man in dengroßen Sälen bei Tisch bittere Kälte; bei einem Fest, dasdie Mutter des Regeuten beschreibt, fror der Wein in denGläsern. Die Verfasserin berühmter Memoiren, Frauvon Staal, geb. de Launay, die Vertraute der Herzoginvon Maine , schildert den Schlafraum, welchen sie in einemköniglichen Schloß bewohnte, der Art, daß gewiß ein heu-tiger Berliner Hängeboden noch ihren Neid erregt hätte.Und erst die Reinlichkeit! Das unnennbar Unentbehrlichsteist erst in diesem Jahrhundert aus England nach dem Fest-land herübergekommen, kaum vor dessen zweiter Hälfte undbis auf den heutigen Tag relativ eine Seltenheit in vielenStädten des Nordens, in Kapitalen des Südens. Dampfund Elektrizität haben schneller ihren Weg gemacht, alsdie einfachsten Bedingungen der Gesundheit und Rein-lichkeit.
Schon aus Dankbarkeit für jene Erfindung müßte manden Engländern verzeihen, daß auch das Toasten mit seinenSchrecken von ihnen zu uns gekommen ist. Denn trotz