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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Bezeichnung Washail auf das Zeremoniell und die es be-gleitenden Reden und Gesänge bei volkstümlichen Umzügenan bestimmten Tagen des Jahres, der t^sMti niZtit (Epi-phanias, Dreikönigstag) Weihnachten und Neujahr über-tragen. Da zogen die Mädchen Mt einem Gefäß, die Was-Hail-Bowle genannt, singend von Haus zu Haus. Dasdarin befindliche Getränk war aus Ale, Muskatnuß, Zucker,geröstetem Brot und gebratenen Äpfeln gebraut, also eineArt Kaltschale. Für das Zutrinken auf das Wohl der Be-wohner ließen sie sich natürlich beschenken. Es giebt nochAbbildungen solcher Bowlen, welche die Inschrift Washailtragen. Ganz besonders auf Neujahrsnacht ward das Hochausgebracht, und hier kommt auch schon in alten Liedernder Ausdruck Toast vor, welcher mit der Zeit an Stelle desWashail trat. Folgendes ist die erste Strophe aus einemalten Liede der Gattung:

'VVasskil ^Vassg-il ovsr tds tovii,Onr tosst is vdits, our als is drovnOur dovvl is wkuZs ok tds ills-xlintrse,^Vs bs Avoä tsllo^vs all; I ärmk to tdee".

Die Erklärung für die auffallende Bezeichnung desWortes Toast ist bekannt. Man weiß, daß es noch heuteein Stück geröstetes Brot bedeutet, wie in obigem Lied,nnd einfach aus dem im Lateinischen das Rösten bezeichnen-den Ausdruck abgeleitet ist. Unzweifelhaft ist, daß voralter Zeit der Brauch bestand, die vergorenen Getränkemit dieser Zuthat zu genießen. Die englischen Trinksitten,ebenso wie die des Orients, knüpfen sich ursprünglich nichtan den Rebensaft an, sondern an Meth und Bier (Ale),in Indien an Soma und Sura, wie ja auch die alten Ger-manen noch nicht Wein genug hatten, um sich damit soreichlich zu besaufen. Sobald einmal der Rebensaft zu den