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Gelagen ausreichte, verschwand in England auch der Bei-satz von geröstetem Brot. Andere Völker kennen ihn nicht.Daß nun für diese besondere Sitte des Trinkens auf dasWohl einer anderen Person das Wort Toast angewendetworden und so siegreich sich behauptet hat, wie der Über-gang in die anderen europäischen Sprachen zeigt, soll nachder meist verbreiteten Auffassung auf Rechnung jener zu-nächst poetischen Formbildung kommen, welche den Teil fürdas Ganze setzt (xars xro toto). Etwas gezwungen er-scheint die Ableitung, aber eine bessere ist ebeu nicht da.Einzelne Sprachforscher behaupten, das Wort Toasten seieine Umbildung des deutschen Wortes „Anstoßen", eineKonjektur, die nicht minder gewagt erscheint als die allge-mein geltende. Die Versuchung, alles, was mit dem Trinkenzusammenhängt in fremden Sprachen, auf deutschen Ur-sprung zurückzuführen, liegt so nahe.*) Das häusig vor-kommende englische Wort os-rouss, Trinkgelage, wird all-gemein von Gar aus, bis auf den letzten Tropfen aus-trinken, abgeleitet. Wird doch von den meisten auch au-genommen, daß der italienische Ausdruck für Toast „Lriii-61si" vom deutschen „Bring dir's" herkomme. Unter denmannigfaltigen Erläuterungen, welche zur Entstehung desAusdrucks Toast gegeben werden, möge nur noch eine Er-wähnung finden, weil sie höchst kurios ist und in verschie-denen Abhandlungen wiederholt wird, seitdem sie zum ersten-male in der Zeitschrift „Ins latlsi-" im Jahre 1709 auf-tauchte. In der ausgelassenen Gesellschaft, welche sich nachdem Sturz des puritanischen Regimentes unter Karl H.wieder von den strengen Sitten der republikanischen Äraerholte, war es unter anderem nicht ausgeschlossen, daß die
*) In meinen Betrachtungen über „Die Kunst zu schenken" (Weih-nachten 1888) habe ich den Gegenstand ausführlicher behandelt.