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hebt und in feierlicher Rede sich so vernehmen läßt: „Wirdanken für die treffliche Bewirtung und bedauern die ver-ursachte» Unkosten." Daß der Wein für ein der Gesund-heit besonders zuträgliches Getränk gilt, ist Wohl auch nureine ^xouss tor clrinliiriA, und daß man ihn nicht seinerHeilkraft wegen auf die Gesundheit anderer trinkt, erhelltschon daraus, daß, wie beschrieben, die Toaste ursprünglichgar nicht beim Wein, sondern bei anderen Spiritussen auf-gekommen sind. Von Schnapstoasten ist glücklicherweise inder zivilisierten Welt noch nicht die Rede. Das sprichtdeutlich 'zu Ehren des Weins, dessen unbestreitbar einge-borenes poetisches Element im Bnnde mit der guten Aus-rede das Fundament der Trinksitten geliefert hat.
Es giebt aber neben der Poesie des Trinkens aucheine des Essens, eine höchst ehrenvolle, ja menschlich höherstehende als die des Trinkens. Eine der höchsten Freudeudes Daseius, ein behagliches Gespräch zu mehreren, fließtam schönsten beim Mahle dahin, und das Wesen des Mahlesist eben das Essen, nicht das Trinken, wenn auch das letzteredazu gehört. Die Nation, welche am meisten Sinn fürKonversation hat, die französische, hat auch am meisteuSinn für die Küche. Bei deu berühmten Soupers desachtzehnten Jahrhunderts spielte das Trinken keine Rolle.Das hängt auch schon damit zusammen, daß die Damen-welt an ihnen beteiligt war, die glücklicherweise bis aufden heutige» Tag dem Genuß geistiger Getränke im ganzengleichgiltig gegenübersteht — ein Gesichtspunkt, welcher beiden Bestrebungen nach völliger Gleichstellung der Geschlechternicht übersehen werden sollte. Zwar kann wohl überhauptals ausgemacht angesehen werden, daß das weibliche Ge-schlecht im ganzen weniger Wert nicht nur auf das Trinken,sondern auch auf das Essen legt, als das männliche. Aufzehn Frauen kommt höchstens eine, die viel darauf hält,