— 60 —
und solche, die es im Übermaß treiben, sind höchst selteneAusnahmen. Ob sie nach anderen Richtungen hin sich da-für schadlos halten, ist eine Frage, die begreiflicherweisehier nicht untersucht werden soll. Man behauptet zuweilen,ihre Gleichgiltigkeit gegen das Essen rühre von ihrer Be-schäftigung mit der Küche her. Dieser naheliegende Ein-wurf hält aber nicht Stich. Denn auch Frauen, dienach ihrem Stande garnichts mit der Küche zu thun haben,gleichen darin allen anderen, und ihre Gleichgiltigkeit gegenden Wein erklärt sich gewiß nicht auf diese Weise, da siedoch beinah nie die Aufsicht über den Keller führen. Ammeisten trinken die Damen von jeher in England . Ausvergangenen Jahrhunderten wird Schlimmes darüber be-richtet, und auch heutigen Tages soll ihre Leistungsfähig-keit über die ihrer Schwestern vom festen Lande bedeutendhinausgehen. Vielleicht hängt damit zusammen, daß sieauch an der Politik viel mehr Teil nehmen und z. B. beiWahlbewegungen jetzt sich gewaltig in eigener Person her-vorthun. Alles in allem möchte ich behaupten, daß wohl-verstandenes Essen und wohlverstandene Unterhaltung zu-sammen gehören, und in beidem leisten da, wo sie über-haupt dazu begabt sind, die Männer das Höhere. Zueiner vollendeten kleinen Tafelrunde gehören gewiß auchDamen, aber sie haben mehr begleitende Funktionen dab^i.Zunächst soll ihre äußere Erscheinung das Ganze ver-schönern, und dann sollen sie sozusagen den Taktstock dabeiführen. Wer das Glück hatte, in feinem Leben angenehmeErfahrungen auf diesem Gebiete zu sammeln, weiß, welchehohe Kunst eine sachverständige Herrin des Hauses übenkann, indem sie den Gang der Unterhaltung ohne sichtbareEingriffe, und vor Allem ohne Pedanterie zu leiten undzu belebeu versteht. Sobald man's merkt, wird's unaus-stehlich. Zu einer guten Tafelrunde gehört eine Mehrzahl