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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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versunken gewesen sein. Aber wir, die wir die Jahre 1870und 1871 erlebt haben, wissen das jetzt besser. In dennächsten Sommer fällt die fünfundzwanzigjährige Wieder-kehr der großen Kriegszeit, und wem, der dabei gewesen,ist alles nicht noch gegenwärtig, als wäre es gestern ge-schehen? Im Jahre 1830 waren seit dem zweiten PariserFrieden erst fünfzehn Jahre vorübergegangen und viel stillereals die, welche uns heute vom letzten großen Völkerkampfetrennen. So erkläre ich mir, daß bei der ersten Kundevon der Verjagung Karls X. in der Stadt Mainz , die mitihrem Schicksal in den ersten Sturz der Bourbonen uuddann wieder in den des kaiserlichen Eroberers eng ver-wickelt worden war, auch die Bilder vergangener Zeitenund, mit ihnen verbunden, die Fragen an das Schicksalwieder unter ähnlichen Zeichen auftauchten. Da kamen siedenn zu Haus in jenen ersten Tagen des August, alle dieRedseligen und Staatskundigen, in deren Gedächtnis dieältesten oder die alten Geschichten, der Einmarsch desGenerals Custine oder der Rückzug aus Rußland , getragenvon dem Selbstgefühl, Zeuge großer Dinge gewesen zu sein,lebendiger noch als sonst wieder emporstiegen. Vor Allemwaren es die alten Soldaten der großen Armee, Veteranengenannt, die sich berufen fühlten, ihre Stimme abzugeben.Manche von ihnen stehen mir noch deutlich vor Augen, ichkönnte sie malen, wenn ich malen könnte. Einer besonders,ein geborener Franzose, einer derer, die am Orte sitzen ge-blieben waren mit Haus und Hof, als seine Landsleute ab-zogen, interessierte uns Knaben ganz besonders. Er hieltjetzt einen Biergarten vor dem Thor. (Gott weiß, wasdas für Zeug war, was uns damals als schäumenderGerstensaft aus steinernen Krügen geschenkt ward!) Aberer hatte ehemals bei den kaiserlichen Kürassieren gedient,ein baumlanger Kerl, der natürlich auch nie menschliches