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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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teuern war; und die Welt sah danach um so beruhigter indie Zukunft, als der Geschichtschreiber der republikanischenund imperialistischen Feldzüge dem Geschichtschreiber derZivilisation seinen Platz an der Spitze des Kabinets hatteüberlassen müssen.

Da kam ein neuer Schlag von ganz anderer Seitedurch einen grausamen, scheinbar tief in die Weltgeschickeeingreifenden Zufall. Ich erinnere mich deutlich des Mo-mentes. Wieder war es ein heißer Julitag im Jahre 1842.Ich hatte in der Glut der Mittagsstunde während deszweistündigen eintönigen Vortrages im Kolleg über römischeInstitutionen mühsam gegen den Schlaf gekämpft. BeimAustritt empfing uns die Nachricht, daß der französischeThronfolger, der junge, schöne, vielgeliebte Herzog vonOrleans, durch einen unglücklichen Sprung aus dem Wagenums Leben gekommen. Auf ihn, auf die Volksgunst, dieman ihm nachrühmte, hatten die politischen Berechnungenihren Glauben aufgebaut, daß Ludwig Philipps Krone ohneSchwierigkeit auf den Nachfolger übergehen werde. Vonnun an trat an die Stelle dieser Zuversicht die bangeFrage für alle Staatsweisen: was wird einst aus der RuheEuropas , wenn Ludwig Philipp die Augen schließt? Undals Ludwig Philipp 1850 in Claremont starb, kümmertesich kein Mensch mehr um die Folgen seines Endes. DasEreignis war absolut gleichgiltig für die Weltgeschichte, so-gar noch gleichgiltiger als der Tod, der drei Jahrzehntespäter den armen Sohn der Kaiserin Eugenie im fernenAfrika aus den Möglichkeiten französischer Überraschung mitdem Assegai eines Zulukaffern herausstrich.

Zum dritten Mal seit Waterloo tauchte der Gedankeauf, die Franzosen würden sich nach dem Rhein stürzen,als am 24. Februar 1848 die Republik ausgerufen ward.Doch galt dies mehr für Deutschland als für Frankreich .