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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Ihn verlangte, meinen weisen Rat zu haben über die Frage,ob er fortfahren solle, die regelmäßigen Terminszahlungenan die Lebensversicherung zu machen, bei der er die Zu-kunft seiner kleinen Töchter versorgt hatte. Er hatte ebeneinige Zeitungsartikel gelesen, welche allen diesen Einrich-tungen philisterhafter Kapitalansammlung den Krieg er-klärten, und stellte mir die Frage, ob ich ihm rate, seingutes Geld weiter in bisheriger Weise solchen vom Umsturzbedrohten Kassen anzuvertrauen, oder es lieber bei sich inbestmöglichem Bersteck aufzubewahren. Ich freue mich nochheute, daß meine Antwort nicht so dumm ausfiel, wie leichthätte passieren können, denn ich hatte eifrig Louis Vlancund Proudhon studiert und, wenn auch ohne den wahrenGlaubeu, doch nicht ohne Wohlgefallen kommentiert. Aberdie Logik half mir über die Klippe hinweg. Von zweiDingen eines, sagte ich, von dem Vertrauen des gesetztenMannes in meine grüne Einsicht gerührt: entweder diebürgerliche Ordnung bleibt bestehen, dann werden Siewohl gethan haben weiter zu zahlen und nicht Ihre bis-herigen Einzahlungen verfallen zu lassen (mit dieser Strafepflegten damals noch die Policen sehr streng versehen zusein); oder der Kommunismus siegt, dann werden Sie dochdes angesammelten Eigentums beraubt. Und er hat weitergezahlt, seine Töchter sind zu wohlversorgten Müttern undGroßmüttern geworden, nnd seine Urenkel, wenn deren vor-handen sind, haben zu einem gewissen Teil nicht ohne meinVerdienst ein wenig von jenem schnöden Eigentum geerbt,das ihnen bis jetzt weder Bebel noch Vollmar konfiszierthaben, und diese werden es auch sobald nicht konfiszieren,selbst wenn das geniale Werk, das man mit einem derschönsten deutschen Wortgebilde neuereu Stils dieUmsturz-vorlage" nennt, nicht demnächst seinen Einzug in die natio-nale Strafgesetzgebung halten sollte. Einstweilen fühlen