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alle Besitzenden in ihren Taschen viel eher die Finger desFinanzministers als die der Sozialisten oder Anarchisten.Und ich vermute, es wird noch lange so bleiben. Wennich lese, daß eine im Rate der Krone sitzende Exzellenz miteinem neuen Plane zur Ausgleichung der irdischen Ge-rechtigkeit, d. h. mit einer neuen Steuer, schwanger geht,so fühle ich die Heiligkeit meines Privateigentums viel mehrgefährdet, als wenn Herr Bebel ein neues Buch schreibtoder Herr Singer eine grimme Rede hält. Doch kehrenwir einstweilen zurück zum roten Gespenst des Jahres Acht-nndvierzig.
Die Rolle des Retters aus dieser Gefahr hatte zunächstLouis Napoleon übernommen. Nicht die Gespenster derZukunft, sondern die der Vergangenheit, der französischeImperialismus und der deutsche Bund waren wieder ausihren Gräbern herauf gerufen und in das Reich des Lebenseingesetzt worden, beides abermals gegen die Berechnungder klugen Leute beider Länder. Denn als das Parlamentin die Paulskirche einzog, ließen sich die wenigsten unterden guten Deutschen träumen, der Bund, der alte Hund,sei nur auf kurze Zeit scheintot; und als der thörichteAbenteurer von Boulogne und Straßburg seine Kandidaturdem strammen republikanischen General Cavaignac gegen-über stellte, wollten die Klügsten unter den Franzosen dasnicht ernst nehmen. Das war ein schwerer Irrtum. Aberin einem Punkt irrte sich freilich niemand: sobald einmalder Prinz als Präsident aus der Wahlurne emporgestiegenwar, blieb kein Zweifel, daß die Komödie nach wenigenAkten mit dem Neffen als Onkel enden müsse. Mit derWahl war die Partie für ihn gewonnen; und, nun einmalder Kaiser auf seinem Thron saß und nicht Miene machte,sich wie Louis Philipp von einer Handvoll Barrikadenjungenins Bockshorn jagen zu lassen, stand der Welt wieder die