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eine Frage beständig vor Augen: was wird werden, wennder glückliche Usurpator dereinst auf natürliche oder un-natürliche Weise — diese lag besonders nahe — ums Lebenkommt? Bis das geschähe, glaubte man auf ruhige Tagezählen zu dürfen. Freilich an den Nachfolger mochte nie-mand glauben, fo oft und hartnäckig er auch dem gaffendenVolk in allem Prunk legitimer Ausstafsierung vorgeführtwurde. Jedesmal, wenn der kaiserliche Prinz in den Ely-säischen Feldern in der großen offenen Karosse an mir vor-über rasselte, vorn ein Trupp Kürassiere in Stahlpanzern,hinterher ein Trupp Dragoner mit fliegenden Helmbüschen,stieg in mir die Frage auf: in welchem Winkel Europas oder Amerikas wirst Du armer Junge als hoffnungsloserPrätendent dereinst vegetieren? Er war sich seiner Auf-gabe, das Publikum an seine Thronfolge zu gewöhnen, sobewußt, daß er einmal, als sein Lehrer Filon ihm eineStrafe diktieren wollte, drohte: „wenn man mich straft,strecke ich bei der nächsten Ausfahrt dem Volk die Zungeheraus." „8i l'oo, ms xunit tirsrai lg, lanAns anxsuxls." Doch schon der Vater sollte sterben, ohne daßein Hahn danach krähte, gerade wie Louis Philipp, in Eng-land . Abermals sollten die Sterne die Frage an ungesuchterStelle beantworten.
Mit dem Jahre 1866 kam ein neuer Schicksalsmenschauf die Weltbühne, und wenn je einer darnach ausgesehen,daß er nicht zu entwurzeln und nicht zu entbehren sei, sowar er es. Auf dem ganzen Erdenrund nannte man ihnden Eisernen, d. h. den, der nicht einmal von innen ge-schweige von außen zu erschüttern wäre. Und abermalsfragte die Klugheit: Was wird werden, wenn er einmaldem unentrinnbaren Los der Sterblichen verfallen wird?
Aber auch er wird einstens, wenn seine Zeit gekommen,dahin gehen, ohne daß es am leisesten Krachen in den