es ihm eigentlich ankommen mochte. Er sei begierig zuhören, welches Mittel der Abhilfe ich im noch ausstehendenzweiten Teil der Arbeit vorschlagen werde. Dem praktischenStaatsmanne war das nicht zu verdenken. Aber der schrei-bende Beobachter hatte ihm keine Kurmethode zu bieten.Falsche Ansichten, meinte ich, seien nur durch Verbreitungder richtigen zu bekämpfen. Nicht doch, meinte er: „wennman keine Kücken haben will, muß man die Eier zerschlagen".Das war die Quintessenz der Sozialistengesetze.
Ich habe später bedauert (bereuen ist in der Politikein falscher Ausdruck), daß ich in den ersten Stadien diesemGesetze meine Stimme gegeben habe. Aber hinterher läßtsich nicht abwägen, wozu der Moment schließlich nötigte.Und das Experiment war unvermeidlich. Wäre es nie an-gestellt worden, so würde man noch heute triumphierendbehaupten, es hätte gelingen müssen. Es giebt Dinge, vordenen man keine Ruhe hat, bis sie einmal probiert wor-den sind.
Man hat, nicht mit Unrecht, behauptet, die Verfol-gungen hätten die Sozialdemokratie gestärkt. Aber auch dieswar nur eine Frage der Zeit. Wenn Dinge in der Luftliegeu, so hilft ihnen eben Alles, die Gewalt wie die Nach-sicht. Am wenigsten zweifelhaft ist, daß der gouvernemen-tale Sozialismus sich an der Propaganda sehr wirksam mit-beteiligt hat. Es liegt eine sonderbare Verkennung derganzen Natur dieser Dinge darin, daß der Staat sich zumsozialistischen Prinzip bekehrt und mit Strafgesetzen dieZiehnng der Konsequenzen verbieten will. Doch, will mauganz gerecht sein, so muß man zugeben: auch dieser Irrtumträgt nur einen Teil der Verantwortung, weil, mit ihmoder ohne ihn, das Einrücken der Massen in die Mitbe-stimmung der Politik zum sozialistischen Experiment hin-drängt. Das zeigen uns selbst so relativ gesunde Staats-
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