95 —
darum eine gewisse Herrschaft des Weiblichen, wenn sieauch besser nicht, wie in Frankreich , so weit geht, daß dieGnnst einflußreicher Dameu bei Besetzung einträglicherÄmter wirksam eingreift. Diese Macht der weiblichen Per-sönlichkeit erklärt sich zwar ans dem besonders lebhaftengeschlechtlichen Sinn der Nation, bernht aber seiner all-gemeineren Natur uach auf dem Sinn für das Persönlicheüberhaupt, aus welchem die Veranlagung des französischenIngeniums für Gespräch und Geselligkeit entspringt. Auchdie Männer unter sich kommen leichter in Fluß und haltenlänger dabei aus. Bekanntlich giebt es in Paris eineMenge von regelmäßig alle Monate an einem bestimmtenTag wiederkehrenden Diners, bei denen sich eine bestimmteGesellschaft zusammen findet. Den Kern bildet gewöhnlichdas Schriftstellerpersoual. Zu einer gewissen Berühmtheitgelangten die Dürers Lts. Lkirvk, auch Dirisrs clu vsircZrsdigenannt, weil sie ihre Freigeisterei (bezeichnend für Frank-reich ) in der Sünde gegen das Gebot der Fastenspeisen znrSchau stellten. — Vor vielen Jahren kam einem unsererberühmtesten Gelehrten der Gedanke, etwas Ähnliches inBerlin zu versuchen. Er wendete sich um Beistand an mich,und ich sagte, mit einigem Zweifel in das Gelingen, zu.Wir brachten, ich darf wohl sagen, das Beste, was dieHauptstadt bot, zusammen. Gelehrte, Künstler, Schriftsteller,Männer des praktischen Lebens, Parlamentarier u. s. w.;um nur von seitdem Verstorbenen einige zu nennen: Helm-holtz, Werner Siemens, Wilhelm Scherer, Max Mariavon Weber, Adalbert Delbrück, Heinrich Homberger warendabei; im Ganzen ungefähr ihrer dreißig. Im ersten Winterging es so ziemlich. Ein recht frischer Zug kam nie hinein.Im folgenden zögerte ich mit der Einberufung, aber Scherer,der — vielleicht dank seinem österreichischen Naturell —einen lebhaften Unterhaltungs- und Umgangstrieb hatte,