Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

101

ein berühmter ist und zugleich deutlich artikuliert wird,beides gehört zu den Ausnahmsfüllen beinahe niemals.Höchstens wird noch der Name des einen Teils vernehmlichgesprochen; beim zweiten füllt meistens die Stimme desVorstellenden tonlos zu Boden. Der Zweck, dem die Vor-stellung vernünftigerweise dienen soll, kann nur darinliegen, daß die Vorgestellten wissen, welches besondereInteresse sie an einander haben können. Darüber klärt derName gar nicht auf, auch nicht der Titel. DerHerrDirektor" kann mit der Leitung einer Ziegelei oder einerAbteilung im Ministerium des Innern betraut sein. ZurUnterhaltung auf gesellschaftlichem Boden ist es auch nichtnötig, in die Stellung der an derselben Teilnehmenden ein-geweiht zu sein. Ein gebildeter Mensch wird es vermeiden,seine Ansichten über heikle Dinge in einem nicht vertrau-lichen Kreise scharf auszusprechen. Er wird weder seinenreligiösen noch seinen politischen Glauben zum besten gebenund sogar mit seinen Ansichten über Homöopathie oderWagnersche Musik zurückhalten, um keinen Nebenmeuschenunsanft zu berühren; auch wird er uicht, wie der glücklichePhilister, der ein Eisenbahngespräch anbindet, von denRuhmesthaten seines Erstgeborenen in der Tertia desGymnasiums erzählen. Die ersprießliche Art der Vorstellungverlangt, wie jede gesellschaftliche Aufgabe, nicht fabrikmäßigin Bausch und Bogen, sondern mit Takt im konkreten Fallbehandelt zu werden. Auch da ist alles Arbeit, und be-sonders für die Hausfrau. Sie hat jeden der beiden Vor-zustellenden mit einigen Worten unter vier Augen über diePerson des anderen Teils aufzuklären und dann den Schluß-akt zu vollziehen, nachdem sie des gegenseitigen Einver-ständnisses gewiß geworden, was nicht immer überflüssig ist.Einem meiner Bekannten passierte es einmal in einemPariser Salon , daß die Dame des Hauses ihn frug: ,,Darf