die Gewißheit geben, daß ihr Schmerz um den Hinge-schiedenen Büreauvorsteher oder Mitverwaltungsrat in ihrerSeele nie ausklingen wird. Damit dies allgemein beherzigtwerde, gelangt es auf dem sicheren Wege und aus derselbenSeite zum Ziel, auf dem ueueste Matjesheringe oder dieKunst, sich unfehlbar das Haar zu färben, empfohlen werden.Nicht selten erhebt sich der Schmerzensschrei in so stimmungs-voller Gesellschaft sogar zur dichterischen Form, zu lyrischenVersen erhabenen Stils.
Daß die Trostlosigkeit ihre Stimme ins Weite hinaus-schallen läßt, mag immerhin noch einige Entschuldigungfinden. Aber die heiße Liebe zu einem lebenden Wesen,von deren bester Sorte „niemand nichts weiß", wie kommtdie dazu, es auszuposaunen? Will man eine Geburt, ob-gleich das gar uicht solche Eile hat, möglichst schnell herum-bringen, gut! so lasse mans in die Zeitnng setzen. Aberdaraus folgt uoch nicht die Notwendigkeit, bei diesem An-laß zu inserieren, daß man seine Gattin „innigst liebt",und daß sie einen „beglückt" hat, was sich beides eigentlichvon selbst verstehen sollte. Doch es ist ja sogar gebräuchlich,in die Zeitung zu setzen, daß man sich verlobt, d. h. mitErfolg verliebt hat. Mag es hingehen, daß eine Heirats-anzeige eingerückt wird, denn das Gesetz will die Öffent-lichkeit durch das Standesamt wegen der Standesverände-rung. Aber eine Verlobung, das kaum den Lippen ent-sprungene Bekenntnis gegenseitiger, zum Vorsatz eines Ehe-bundes gesteigerter Zuneigung, der Schlußakkord einer Liebes-erklärung, die sich eben erst von den Banden des Geheim-nisses befreit hat, durch Maueranschlag zu verkünden, ist inder That eine Verletzung des Schamgefühls. Zwar: „Ichschnitt' es gern in alle Rinden ein" aber, ob Wohl einDichter, ähnlich wie Frau Marthe Schwerdtlein, singenmöchte: ich rückt' es gern in alle Blätter ein? — Die Ehen