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Also entschloß ich mich, den alten Cicero, den altenGrimm und den jüngeren Lasker wieder herbeizuholen, derenBetrachtungen über das Thema ich vor längerer oder kür-zerer Zeit gelesen hatte. Die beiden ersten sprachen ausihrer Erfahrung heraus, der letztere, damals erst in derMitte seiner vierziger Jahre stehend, aus seiner Dialektik;doch nicht ganz ausschließlich, denn er war sich des Vor-wurfs, dem er damit Raum gab, bewußt; darum bemühteer sich, seine an anderen gemachten Beobachtungen undinsbesondere Beispiele aus der Geschichte beizubringen, wiees schon vor ihm Cicero gethan hatte. Bezeichnend für ihnwar, daß er, abweichend von den beiden anderen, meinte,es ließen sich Vorschriften finden, wie man den Gebrechendes Alters, namentlich in der Jugend, vorbeugen könne.Auch war die Abhandlung nur eingeflochten in eine größereunter dem Titel: „Über Anlagen und Erziehung"/) Dergroße Optimist bildete sich ein, man könne selbst in diesemPunkt das Leben korrigieren; wenn man's nur wohlüber-legend einrichtete, könne man auch planmäßig auf ein be-hagliches Alter lossteuern. Er stand damals im Zenithseiner glänzenden Laufbahn, auf Händen getragen durchganz Deutschland , geehrt von Hoch und Niedrig, im harm-losen Glücksgefühl einer unablässig angeregten Wechsel-beziehung zur Öffentlichkeit. (Wie schwer wird es, sich dasheute vorzustellen!) Kaum hatte er die Feder aus der Handgelegt, welche die Kunst, sich vernunftgemäß ein schönesAlter zu bereiten, gelehrt hatte, so befiel ihn die tückischeKrankheit, die seine Gesundheit für immer untergrub, undihn nach schweren Leiden und noch viel schwereren Ent-täuschungen im besten Mannesalter dahiu raffte. Die ver-ständige Fanny Lewald dagegen, welche seiner optimistischen
*) „Deutsche Rundschau," I. Jahrgang 1874/75.