Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

ohne Zweifel an substantiellen Merkmalen im Gehirn has-tenden Erinnerungen so lebendig erhalten bleiben, so liegtnahe, daß auch Jugendgefühle uns ins Alter begleiten,natürlich rnutatis rnutancliZ. Der Traumzustand, der un-bewußt Vorhandenes im unkontrolierten Verstandeszustandauf die Oberfläche kommen läßt, liefert einen besonderenBeleg für die Richtigkeit dieser Behauptung. Wie oftträumen wir uns jung, erneuern weit zurückliegende Ein-drücke, die sich tief ins Gehirn eingegraben haben.

Alte Leute träumen noch manchmal, daß sie im Examenstehen, und freuen sich beim Erwachen, daß es nur einTraum war. Und wie unschuldig waren zu ihrer Zeit dieExamina, und wie leicht nahm man sie! Wie schwer mußerst der Alp einst auf den Unglücklichen liegen, die heutedurch dies Fegefeuer gehen! Damals hatten doch die Exa-minanten noch die Hauptaufgabe, die jungen Leute zuzu-lassen, heute dagegen, sie abzustoßen. Dies Beispiel vomExamenstraum, das ich hier herausgreife, fällt mir zunächstdeshalb ein. weil es jüngst in einem Zwiegespräch miteinem berühmten Nervenpathologen zu meiner Belehrungdienen mußte. Die Unterhaltung drehte sich um die be-liebten Themata des Hypnotismns und der Suggestion.Wir haben uns ja alle mehr oder weniger mit diesenDingen als natürlichen Erscheinungen befreundet, die nichtbloß nichts Spiritualistisches oder Mystisches an sich haben,sondern umgekehrt der sogenannten materialistischen Auf-fassung durchaus zu Hilfe kommen. Bei einer gewissenWendung des Gesprächs sagte ich zu meinem Professor, esgebe Dinge, die ich trotz allem nicht glauben könne. Soz. B. wenn der gelehrte Psychiater von Krafft-Ebing be-haupte, er hätte einer in mittleren Jahren stehenden Franim Zustand der Hypnose mit Erfolg suggeriert, sie sei einsiebenjähriges Kind. Ich meinte, durch einen künstlich her-