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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
117
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die berühmten Leute nach neuerem Stil sich schon beimerfüllten neunundfünfzigsten Jahre als Jubilare anfeiernlassen.

II.

Bietet die Kontinuität des Ich dem Druck des Altersein Gegengewicht, so mildert sie auch die Wirkung derEntbehrungen, die es auferlegt. Der Verlust an Genüssen,den die Jahre mit sich führen, wird übertrieben, weil nichtbedacht wird, daß an dem Genuß das Kennen einen großenAnteil hat.In dem Genuß verschmacht ich nach Begierde."Mit dem Kennenlernen des Genusses verliert derselbe fürden Menschen einen Teil des Reizes, den er für ihn hatte.Ein Glück gekannt zu haben, ist ein unverlierbares Stückdieses selbigen Glückes, aber es lang und genau gekannt zuhaben, ruft Sättigung hervor. In demIch besaß es docheinmal, was so köstlich ist! daß man doch zu seiner Qualnimmer es vergißt!" enthält die erste Zeile einen Trost,den die zweite verleugnet, und auch in demnsssun'ras-Mior clolors oks ricoräs-rsi <Is1 t,kro.xc> Lslios nslls,missria," liegt ein Irrtum. Ein Mädel, das alle Tourendurchgetanzt hat, geht viel leichteren Herzens vom Ball alseine, die den Schimmel halten mußte. Ein Leben, dasnicht ein verfehltes war, wird den Abgang der Genüsse,den das Alter mit sich bringt, viel weniger schmerzlichempfinden, als die Reflexion es sich ausdenkt. Es liegtetwas Charakteristisches darin, daß gerade Fanny Lewald es war, die ihren Freund Lasker wegen seines Alters-optimismus ziemlich scharf abkanzelte. Gewiß hatte sie keinverfehltes Leben hinter sich, als sie zu vierundsechzig Jahrenihm nachwies, was man alles mit den Jahren einbüßt.Aber sie hatte erst zu dreiundvierzig Jahren geheirathet,