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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Anderen macht, kommt mit weniger aus, als die jungenJahre, welche die Welt im Sturm erobern wollen und mitihren Ansichten durchdringen zu müssen meinen, bis daßsie endlich dahin gelangen, mit dem alten Goethe zu sagen,daß man über das allmächtige Niederträchtige sich nicht be-klagen dürfe, oder mit dem alternden Heine:es begreiftnicht solch ein Maulheld, warum der Mensch zuletzt dasMaul hält". Nachdem die am Ende der siebziger Jahrevom Fürsten Bismarck eingeleitete, rückläufige Bewegungder Geister im Laufe von anderthalb Dezennien auf demTollpunkt von Krähwinkelei angekommen war, auf demunsere wirtschaftliche Gesetzgebung dermalen sich noch weiterbelustigt, hatte ich mir als Gegengift gegen den Unmut,der mich beim Anhören gewisser Reden im Reichstag er-faßte, eingeprägt, mich daran zu erinnern, von wievielAberglaube die Menschheit sich von jeher auf anderen Ge-bieten hat beherrschen lassen, sich bis auf diesen Tag be-herrschen läßt und wahrscheinlich, wenn nicht in alle, dochnoch lange Zeiten wird beherrschen lassen; und daß esdennoch geht und weiter gehen wird, hauptsächlich deshalb,weil die einzelnen in ihren persönlichen Angelegenheiten soviel besser und klüger sind als die Gesamtheiten in denihnen überlassenen.

Bringt das Alter seine Kompensationen gegen desperateAnstrengungen und desperate Stimmungen, so darf esdiesen Vorteil auch wiederum nicht zu fatalistischer Unter-werfung unter die dunklen Mächte verwenden. Dadurchwürde es gerade das Beste einbüßen, die Erhaltung desTeils von Jugend, der dank der Kontinuität des Ich inuns fortlebt, und desfen Strom möglichst lang und starkfortzuleiten das Geheimnis des relativen Jungbleibens aus-macht. Ich fage: das Fortleiten des Stroms, vor zwanzigJahren hätte ich noch gesagt: den Zufluß von Öl auf die