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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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ja auch ein Jungbleiben oder Jungbleibenwollen, das zurKarrikatur wird. Alter schützt vor Thorheit nicht, sagt einSprichwort. Sehr mit Recht pflegte dagegen eine klugeFrau meiner Bekanntschaft hinzuzusetzen:Doch Thorheitschützt vor Alter". Eine vorsichtige Dosis Jugendeselei mitsich zn führen, ist gar so übel nicht. Selbst das so oftdes Schwindens angeklagte Gedächtnis kann durch Übunglänger bei Kräften gehalten werden, als wenn man eswiderstandslos einrosten läßt. Man muß es nicht außerGang kommen lassen, gerade wie die Gliedmaßen. Beidesfinde ich bei Cicero bestätigt; Cato, dem er seine Ansichtenin den Mund legt, beruft sich auf seine eigene Übung imhohen Alter, und an einer anderen Stelle sagt er: derGreis, in dem noch etwas Jugendliches ist, gefällt mir.3sQsm, in (zuo sst, s>1i^uid s,dv1ssesQt,i8, prvlzv."

Wo von den Leiden des Alters die Rede ist, darf dasKapitel vom Sterben und Tod nicht fehlen. Das naheEnde soll seinen Schatten auf die Tage voraus werfen, dieihm immer näher rücken. Dagegen wird in der Regel derTrost gespendet, daß dies auch für das jüngste Menschen-leben gelte, worauf der Pessimist jedoch mit der gesteigertenWahrscheinlichkeit repliziert. Der Heide Cicero nimmt inziemlich ausgedehnter Betrachtung den Trost der Unsterb-lichkeit der Seele zu Hilfe, während Grimm, der Christ,sich sachte an ihr vorbeidrückt. Aber auch Cicero zeigt sichnicht frei von Skepsis; er flicht dieselbe Bemerkung ein,welche so viel später Pascal in sein bekanntes Bild ein-kleidete: wenn ich doch über Unbekanntes wetten soll, willich auf das wetten, was mir zu gute kommt, falls ich ge-winne, und nicht auf meinen Schaden. Die Angst vordem Sterben ist natürlich, die Angst vor dem Totsein isteine Gedankenlosigkeit. Wahrscheinlich ist auch in denmeisten Fällen die Angst vor dem Sterben unberechtigt.