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großen und gefurchtsten Reichskörper noch verführerisch anfden Sinn ehemaliger Unterthanen eines Zwergstaates wirkenmuß. Wir werden ferner wahrnehmen, nicht nur, wie nachder Wiedervereinigung mit Deutschland dieselben Ursachennoch eine geraume Zeit lang in Erhaltung von Ab- nndZuneigungen weiterarbeiten, sondern auch vornehmlich wiedie undeutsche Gesinnung zuerst unter dem Einfluß derdeutschen Kleinstaaterei und aller Folgen des Wiener Kon-gresses ihre traurigste und abgeschmackteste Gestalt annimmt,indem sich die Mißgeburt des rechtsrheinischen Beamten-servilismus mit der Mißgeburt der linksrheinischen Fran-zöselei zum Urbild der Charakterlosigkeit zusammenthut.Schließlich werden wir erleben, wie der Sturm von 1848die Luft von diesen Unreinlichkeiten säubert; wie ein ein-ziges Jahr halbwegs freier Regnng das Nationalgefühl ineiner Bevölkerung auferweckt, die unter dem Ekel an demerbärmlichen Wesen engerer und weiterer Vaterländer dreißigJahre und darüber für deutsches Bewußtsein uuempfäng-lich geblieben war; wir werden den Trost erübrigen, das;die unerbittliche und gehässige Reaktion der fünfziger Jahrenicht alle im kurzen Freiheitslenz empfangenen Keime zuersticken vermocht hat, indem ein guter Ansatz deutschenNationalsinns zurückgeblieben ist: so zwar, daß — mitvereinzelten Ausnahmen — die lächerlichen Figureil ver-schwunden sind, die alle Träume von Glück und Triumphin ein französisches Departement verlegt hatten. DerStaatsstreich und das daraus entstandene absolute Kaiser-tum tragen schließlich das ihrige dazu bei, die alten Ver-irrungen auszubrennen, denn es war durchschnittlich dieSympathie für französisches Wesen von liberalen Instinktenausgegangen, die sich nunmehr mit Entrüstung vom Nach-barlande abwenden und damit das Bedürfnis politischerExistenz an den natürlichen Quell deutscher Wiedergeburt