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turnalicn einer aufgeblasenen Aristokratie und ihrer kläg-lichen Demütigung ausfüllen. Da aber einmal die histori-schen Aufzeichnungen, durch Vorurteil und Bequemlichkeitveranlaßt, uns über alles Soldatische ausführliche Berichteerstatten, so müssen wir einige der letzteren hier aufführen.Auch verfallen wir damit nicht in die Einseitigkeit, deren wirAndere bezichtigen, denn niemals konnte man so sehr über-zeugt sein, aus dem Einen alles Andere kennen zu lernen.Bedenkt man, daß die vornehmen Herren ihren ganzen Ver-stand auf das edle Soldatenspiel verlegten, erfährt manandererseits, in welcher Verfassung sich ihr Kriegswesen be-fand, nachdem sie aus eigenem Antrieb sich in Feindseligkeiteneingelassen, so kann man — gewiß aber nicht ausreichend —sich vorstellen, wie es mit der bürgerlichen Verwaltung be-schaffen gewesen sein mag. Was nur jemals die Komik haterfinden können, um ein Heer von Krähwinkel zu beschreiben,das begegnet uns hier auf Schritt und Tritt. Oben-erwähnter Armeebestand von 3000 Köpfen erfreute sich desBefehls ganzer zwölf Generale aus den ersten adligenHäusern. Die Thätigkeit des Geniekorps bewährt sich haupt-sächlich im Gemüsebau auf dem Glacis und in den Gräbender Festung. Daß beim Ausbruch der Feindseligkeitenmeistens die Geschütze und die Kugeln durch unverträglichesKaliber in Mißverständnis mit einander geraten, ist in denAnnalen der Bundesgarnisonen bis auf unsere Tage etwasso Herkömmliches, daß es uns für damalige Zeit nicht be-fremden darf. Die Kopfzahlen, welche bei der thatsächlichenKriegführung zur Sprache kommen, bleiben hinter denenzurück, welche Heuer eine jede Hofoper beim Wallensteinoder dem Nordstern zur Disposition hat. Da hören wirvon 17 Husaren (ein starkes Drittteil der gesamten kur-fürstlichen Kavallerie), welche dem anrückenden Feind ent-gegengeschickt werden; ein andermal von 6 Jägern, welche