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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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am Rhein postiert bleiben, um den Rückzug aufs rechteUser zu sichern (man kann sich denken, mit welchem Er-folg). Nach dem Gefecht bei Speier (30. September 1792).wo die Mainzer zum erstenmale an der Seite der Kaiser-lichen im Felde gestanden hatten, verflog das kurfürstlicheHeldentum in einem Atemzug. Es waren seine schönstenLeute mit den schönsten Aufschlägen das gelbe Regimentgeheißen, wie in reichen Bauernhäusern das vornehme gelbeZimmer welche der erhabene Kriegsherr ausgeschickthatte, um die lumpigen Republikaner zu Paareu zu treiben,und der sie befehligende Oberst von Winkelmann hattemit Brannschweigs Manifest nicht zufrieden einen eige-nen Plan ausgedacht, wie man Paris verbrennen möchte,ohne anch nur eiuen Bewohner entrinnen zu lasfen.Jetzt kam die Schreckensbotschaft, uud jetzt erst dachte manan ernstliche Verteidiguugsanstalten für die wichtigste Reichs-festung. Natürlich abermals nur eine zweite und verstärkteAuflage von Tölpelei, Fastnachtsspiel und hohler Bär-beißigkeit, die alles Frühere übertraf. Vor allen Dingenmachten sich die hohen Herrschaften, den Kurfürsten an derSpitze, auf die Sohlen. Zu Wagen, zu Roß, selbst mitOchsengespann, wälzte sich ein Zug von schwerbepacktenMainzer Adligen und französischen Emigranten über dieRheinbrücke nach Frankfurt, Homburg, Darmstadt, Heidel-berg, Aschaffenburg. Würzburg , immer weiter und immerweiter, getrieben teils vom eigenen Schreck, teils gestoßenvon der Angst der hohen Bundesgenvssen, die jetzt ein Asylgeben sollten, die aber vor einer Stunde noch in ge-meinsamer Angriffswut schnaubend sich jetzt die kom-promittierenden Gäste verbaten uud an ihren Frieden mitdem Reichsfeind dachten. Alle Schätze und Kleinodien desStaats und der Stadt, alle öffentlichen Kassen wnrden inlandesväterlicher Umsicht mit weggeführt, damit der zurück-