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Zeit und Menschen waren jugendlich, alles war so neu, sounverbraucht, so unerprobt; denke man, welchen Zauber diepathetischen Formen noch heute auf unser erfahrungssattes,nüchternes Geschlecht im gegebenen Augenblick zu üben ver-mögen, und berechne man, wie sie damals packen mußtenim Moment des grellsten Übergangs und der in Wahrheitinhaltreichen Begeisterung! Wie theoretisch rein nud reintheoretisch die Triebfedern der ganzen Bewegung waren,erhellt am unzweifelhaftesten aus dem Umstände, daß dieGelehrten aller Gattung und unter ihnen die ausgezeichnetstenan der Spitze standen. Wir haben Forster genannt; Gervinus und Schlosser, gewiß zwei unverdächtige Zeugen, enthebenuns der Mühe, seine Rettung zu unternehmen. Neben ihmstehen Andreas Hofmann, Profesfor der Philosophie, erstvor wenigen Jahren gestorben und bis zum letzten Augen-blick seines hochbetagten Lebens ungebändigt in seinem starkenewigtreuen Freiheitssinn; Blau , Vorsteher des Seminarsund erster Profesfor der Theologie, der liebenswürdigste,humanste Charakter aus jener Gruppe, den selbst die pöbel-haftesten Gegner nicht zu verdächtigen wagen; Wedekind,Leibarzt des Kurfürsten und Profesfor der Medizin, späterOberarzt der französischen Armee, der regsamste und feurigsteder Klubbisten, der Haupt-Redner und Journalist, überallgegenwärtig und zu allem geschickt; ihm ähnlich Metternich,Profesfor der Mathematik; Enthusiasten von leichterer Art;der Gymnasiallehrer Böhmer aus Worms und der ehemaligeMainzer Kanonikus Dorsch; sodann noch der Profesfor Vogt,der Hofgerichtsrat Hartmann und der edle EnthusiastAdam Lux , den ein Jahr darauf der Anblick derPariser Blutwirtschaft zur Verzweiflung an seinem Freiheits-ideale, zum Selbstmordsversuch und schließlich auf dieGuillotine brachte, nachdem er absichtlich unter den Augenihrer Richter die That der enthaupteten Charlotte Corday