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April begann die engere Belagerung, und damit die Zeitder verzweifelten Maßregeln; um so mehr, als die Näheder deutschen Truppen allen Widerstandslustigen neue Kräftegab. In immer wachsenden Massen, mit immer zunehmen-der Strenge wurden die Ausweisungen betrieben. Anfangshatte man sich auf die ausdrücklich Widersetzlichen beschränkt;von ihnen geht man jetzt zu den Verdächtigen über; zuerstkommeu die Geistlichen, dann ehemalige Beamte und Privile-gierte, schließlich deren Angehörige an die Reihe. PolitischerVerdacht und materielle Not steigern gleichzeitig die Ver-folgungssucht. Den Ausgetriebenen wird verboten, irgendetwas Anderes als die notwendigste Habe, nur was sieselbst tragen können, mitzunehmen. Der Rest des Ver-mögens wird konfisziert, ebenso das Eigentum derer, dievorher freiwillig ausgewandert waren: ein förmliches Emi-grantengesetz nach französischem Muster. Endlich auch, nacheiner damals bestehenden Gewohnheit, wird zur Sicherungkünftiger Repressalien eine gewisse Zahl angesehener Bürgerals Geiseln ins innere Frankreich abgeführt, hauptsächlichKaufleute (beinahe lauter noch heute gut bekannte Namen.Gröser, Werner, Kaiser, Ackermann). Der Sturm desVölker- uud Bürgerkriegs ist entfesselt. Vor den Wällenschlägt man sich, beinah allnächtlich ein Ausfall, bald da,bald dorteu; innen ersteht ein Revolutionstribunal, fünfRichter, ein öffentlicher Ankläger und auf alle politischeVergehen die Todesstrafe; und damit nichts fehle, auchAssignaten, nicht die französischen, sondern, wie man allesauf eigene Faust macht, anch eine aparte rheinisch-deutscheBelagerungs-Münze. Denn man ist eben ganz und garvon Frankreich abgeschnitten, ohne irgend ein Mittel, dieTruppen und deren Lieferanten anders zu bezahlen. Wasin Paris vorgeht, weiß man seit Monaten nicht; hie undoa erfährt man etwas vom Feinde, aber natürlich nur unter
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