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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Vorbehalt, und mit Recht: denn es heißt (und spielt beider Übergabe der Stadt eine besondere Rolle), in Frankfurt würden falsche Monitenre gedruckt mit Erzählungen, welcheauf die Einschüchterung der Belagerten berechnet seien.Unter solchen Umstünden laßt sich denken, wie viel republi-kanische Begeisterung in dem deutschen Städter mag zurück-geblieben sein. Selbst die französischen Berichte wissennichts zu rühmen. Wie groß überhaupt ist die Zahl derfriedseligen Menschen, deren Gesinnung solchen Prüfungenwiderstünde? von denen ein solcher Widerstand sich billiger-maßen verlangen ließe? Und vollends hier; nach hundert-jähriger Unmündigkeit und Spießbürgerei, nach einem dar-auf gefolgteu kurzen Rausche, unter den Klängen einerfremden Sprache, dem Walten eines fremden Geistes?Wäre auch nicht das Zeugnis der weit und weiter getriebenenAusweisungen vorhanden, das Bild der Zustände alleinkönnte genügen, uns die Überzeugung zn sichern, daß voneiner freiwilligen, von Hause aus sympathische» Hinneigungzn Frankreich bei den Massen damals nicht die Rede war:trotzdem dies nicht nur bei den Franzosen bis auf denheutigen Tag ein Glaubensartikel ist, sondern zu allen Zeitenin Deutschland vielfach behauptet wurde; zunächst auf dasZeugnis hin der rachedurstigen Wiedereroberer, deren Bru-talität nach einer möglichst großen Zahl von Opfern, nachVorwünden für ununterschiedliche Plünderung verlangte.Kehren wir noch einmal zurück zu den Belagerten. Es istEnde Juni geworden, uud zu allen Schrecken des Kriegsist die eigentliche Beschießung hinzugetreten. Tagelangregnete es Bomben.Wir lebten unter eiuem feurigenDache," sagt ein Augenzeuge. Die stattlichen Paläste, derDom, viele Kirchen stehen nach der Reihe in Brand. Mangelan Fleisch, an Futter, Medikamenten. Immer und immerwilder geht der Gang der Austreibungen. Nicht mehr