Druckschrift 
1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Kurfürsten und seiner Verbündeten drohte. Ihr Lvs, dasGebaren ihrer Verfolger wie ihrer Beschützer ist bezeichnendfür den Geist der Parteien. Ihre Leiden beanspruchen nnserinniges Mitgefühl, ihre Gleichgültigkeit gegen die deutsche Nationalität darf es ihnen nicht entziehen. Ein Jahr darauffinden wir ihre Peiniger, finden wir Osterreich nnd Preußen um die Wette kabalierend, wer dem Reichsfeind das linkeUfer an den Hals werfen dürfe, um sich eine andere Territo-rialentschädigung zu sichern. Wer empfand oder dachtedamals etwas von deutscher Nationalität? Wenn wir glaubenfestgestellt zu haben, daß die Anzahl der Neuerungslustigenmir iu geringem Verhältnis zur Gesamtheit der Bürgergestanden hatte, so dürfen wir nicht verkennen, daß, wieschon angedeutet, Reinheit der Motive und der Überzeugungin dieser Minorität vorwaltete. Durch alle Prüfungen hin-durch bewies sie nachmals heldenmütige Ausdauer bei ihrerSinnesart. Aber in den Augen der Obrigkeit von GottesGnaden ist kein Widerstand gehässiger als der des uneigen-nützig freisinnigen Denkers, und sie hat von jeher diesüßeste Befriedigung hineingelegt, das Edle in ihm geflissent-lich ignorierend, ihn als ehrlosen Verbrecher herabzuwürdigen.Schöngcistelnde deutsche Fürsten haben nach 1830 und nach1849 mit besonderer Wonne Schriftsteller, Philosophen,Dichter zum Wollznpfen, Spinnen, Marmorschleifeu an-halten lassen, ganz wie Ferdinand von Neapel seine Ministermit Mördern an eine Kette schloß. Auch dem damaligenvöllig von Preußen lag nichts mehr am Herzen, als derLegitimität die Opfer eines wollüstigen Rachefestes zn sichern.Darüber läuft beiuahe ausschließlich die Korrespondenzzwischen den Befehlshabern in und außerhalb der Festunghin und her. Der König will unbedingt sich ans nichtseinlassen, was die sogenannten Patrioten vor künftigenHeimsuchungen schützen könnte. Merlin zeigt sich dabei