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losen und übermütigen Armeen zuflössen. Als eine Grenz-festung ersten Ranges sah die Stadt beinahe alle Kolonnendes unermüdlichen Kriegers aus- und einziehen, und da derSoldat, so lange er auf fremdem Boden war, keine Löhnungbezog, so ward Mainz für ihn, was die großen Hafenplätzefür den Matrosen sino: ein Ort der Ausrüstung bei derAbfahrt, ein Ort des Genusses bei der Rückkehr. Mainz wurde wieder, seinem Ursprung getreu, ein Tummelplatzder Legionen, welche von diesem Lager aus die Erde über-strömten. Wie vor zweitausend Jahren rief die heroischeWillenskraft des Imperators große Zivilisationsanstaltenins Leben: zunächst zum Zweck seiner Kriege die großenHeerstraßen, an denen es zu Kurfürsteuzeiten gänzlich ge-fehlt hatte. Eine steinerne Brücke sollte sich über den Rhein erheben. — Während eines halben Menschenalters täglichAngenzengen der ins Unbündige wachsenden Übermacht aufder einen Seite, der Demütigung des Baterlandes auf deranderen, lebten sich die Bewohner des Rheinlandes in denGedanken ein, wie das Elsaß unzertrennlich nnt Frankreich vereinigt zu sein. Die kaiserliche Allgewalt, welche schonso blendend wirkte, ließ sich sogar zeitweise zu den kleinenbilligen Schmeicheleien herab, welche das Herz des Spieß-bürgers kitzeln. Mainz wurde zu einer der „donnss villss cksI^-s-riOs" ernannt, um ihm keinen Zweifel mehr über seineNationalität aufkommen zu lassen; Napoleon und MariaLouise residierten zeitweise in dem alten deutschen Ordens-hanse. So sehr hatte sich die Sinnesentfremdnng eingenistet,daß selbst, als die Zeit der schweren Prüfungen kam, derGedanke eines Abfalls uicht Raum fand. Die rasendenKonskriptivns-Aushebungen der Jahre 1811, 12 und 13,der Rückzug aus Rußland , die Kriegspest und der Typhus,welcheu die schauerlich demoralisierten Truppen der Stadteinimpften, so daß die Bürgerschaft selbst von ekelhaften