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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Krankheiten dezimiert wurde, kurz der konzentrierte Ausbruchdes ganzen Jammers, welchen die Napoleonische Barbareiüber die Welt gebracht hatte, weckte nicht Haß gegen Frank-reich, nicht Hinneigung zu Deutschland . Noch nach derSchlacht bei Leipzig , als die wirren Soldatenknäuel sich beiHanau eiueu blutigen Rückweg gebrochen hatten und indie Zuflucht der Festuug hineinströmten, verfiel in derStadt niemand auf den Gedanken, daß die Siege derAlliierten das Nheinufer wieder an Deutschland bringenkönnten. Die ganze jugendfrische, heldentümliche, patriotischeErhebung des Nordens hatte nicht das leiseste Echo in diesenMauern wach gerufen. Im Gegenteil. Das Rachegefühl,mit welchem 179?! die preußischen Soldaten in die ab-trünnige Stadt eingezogen, war auf beiden Seiten zur ge-hässigen Überlieferung geworden. DasMainzer Klubbisten-volk" blieb als ein Gegenstand des Abscheus sprichwörtlichim Munde der deutschen Offiziere, und nach dem Gesetzeder Wiedervergeltung erhielt sich aus der anderen Seitedie Vorstellung einer deutscheu Truppe unzertrennlich vonder Vorstellung eines boshaft brutalen Stockprügelregimentesüber alle bürgerlichen Sphären. Als 1814 nach dem Pa-riser Frieden Mainz an Deutschland zurücksiel, begegneteman sich mit diesen Reden ans den Lippen. Vor derRäumnng der Stadt ging das Gespräch nnter der Bürger-schaft: wer von den abziehenden Franzosen irgend etwaskaufe, werde mit den unvermeidlichenfünfundzwanzig"traktiert werden. Diese heilige Zahl war das Gestirn, unterwelcher das Licht der Nationalität wieder in den Augender Leute aufging, und die Schaaren von Kosaken , Basch-kiren, Notmünteln, mit welchen ihre Hänser jetzt belegtwurden, trugen nicht sonderlich zur Milderung dieser An-sichten bei. Bis 1816 dauerte dieser Zustand. Einquar-tierungen und Kriegsstenern preßten die Stadt aus. Trotz