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einiger brüderlichen Proklamationen wurde sie als eine er-oberte behandelt. Eine bairisch-österreichische Administrationfür die Provinz, eine österreichisch-preußische für die Stadtselbst stellten eine Art provisorischer Regierung vor, die imJuli des ebengenannten Jahres der Hessen -darmstädtischenden Platz räumte. Wäre damals nicht Deutschland um denLohn seiner blutigen Arbeit so schmählich betrogen worden,es würde ihm auch die Schmach erspart geblieben sein, einenTeil seiner Bevölkerung noch Jahrzehnte hindurch den Fall-stricken einer thörichten Verirrung zu überlassen. Erstandden Deutschen ein politisches Vaterland, so war im selbenAugenblick die böse Saat des französischen Zwischenreichsvernichtet, es war, wie die Volkssprache am Krankenbettsich ausdrückt, der Natur geholfen. Denn nicht nur leichtbeweglichen Blutes ist der Rheinländer, sondern auchallen guten Regungen von Herzen zugänglich. Aberalles, was er jetzt erlebte, drängte ihm nur die eineEmpfindung auf: daß die deutschen Fürsten nichts andereserstrebten, als die Wiederherstellung jener verhaßten feudalenKleinstaaterei, deren Sturz er mit Beifall begrüßt und imLauf der Erfahrung gesegnet hatte; und es bemächtigte sichseiner Seele jener andere menschliche Zug, das Gute in dieVergangenheit zu verlegen. Wie Frankreich selbst im In-grimm über das bourbonische Pfaffenregiment den Namendes gestürzten Despoten zum Losungswort des freisinnigenWiderstands machte und die Volksgeißel als Volksidol be-sang, so warfen sich die Rheinländer im Mißmut über diedeutsche Junkerwirtschaft in die Liebängelei mit dem fran-zösischen Wesen. Glücklicherweise mit geringem Erfolg.Kein Bsranger und kein Thiers verherrlichten hier die ge-fahrvolle Richtung, kein Joinville führte die Toten zurück;und das Jahr Achtundvierzig versiegelte diesseits die Gruft,welche es jenseits wieder geöffnet hat. — Aber kehren wir
Ludwig Bambcrger's Ges. Schriften. I. -.^