— 179 —
andern, da wo einmal der Geist des Partikularismus über-haupt der Kleinlichkeit und Eifersüchtelei das Signal ge-geben hat. Nichts hat mehr Drang zur Konsequenz insUnendliche hinein, als das Prinzip der Teilung. Schnur-stracks geht seine Logik fort bis zum Atom. Bei der TeilungDeutschlands hatte die fürstliche Eigennützigkeit an die pro-vinziale Selbstsucht, an das spießbürgerliche Vorurteilappelliert, um einen populären Boden zu finden. Warumsollten diese politischen Untugenden just an den Grenzenstehen bleiben, welche die Phantasie der Diplomaten gezogenhatte? Wahres und Falsches verbanden sich in der volks-tümlichen Anschauung zum Widerwillen und zur Verachtunggegen alles, was aus den jenseitigen Provinzen herrührte.„Darmstädtisch" wurde eine Bezeichnung für den Inbegriffder Abgeschmacktheit und Armseligkeit, der letztern besondersauch um deswillen, weil sich das gesegnete Rheinland alsdie Kornkammer ansah, von deren Reichtümern der vonHaus aus dürftige Hof mit der ganzen Beamtenschaar derminder fruchtbaren Erbstaaten zehre. Sand und Zwiebeln,hieß es, sei alles, was sie hervorbrächten, und was der-gleichen nachbarliche Bosheiten mehr sind. War man dochüberdies nicht bloß dem Darmstädter Unterthan, sondernnoch dazu dem Österreicher und dem Preußen , welche mitdeutsch -militärischer Brutalität das Regiment über die Stadtführten. Das Verhalten des Soldaten gegen den Bürgerkam mehr als alles andere der Vorliebe für den Fremdenzu Hilfe. Seit den Feldzügen des Mittelalters hatte sichder französische Kriegsmann den Ruf der Urbanität, derspanische den der Habsucht, der deutsche den der Roheiterworben. Die Greuel, welche unter Ludwig XIV. be-gangen worden, kommen, wie die Dragonaden und alle dahineinschlagenden Teufeleien, ganz besonders auf die Rechnungdes pseudogroßen Königs und des Katholicismus. Bei der
12*