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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Invasion von 1792 erregte die Menschenfreundlichkeit desrepublikanischen Heeres nicht bloß das allgemeine Erstaunen,sondern sogar die Indignation der Gegner. Einem vonSpeyer zurückkommenden kurfürstlichen Offizier, welcher sichin Anerkennung darüber ausbreiten wollte, herrschte derKommandant zu, er möchte schweigen, und nicht den Feindpopulär machen. Es wäre ihm lieber, setzte er hinzu, daßCüstine mit Feuer und Schwert gehanst hätte. Freilichsagte man, das sei lauter Berechnung und Politik. Aberwo Cüstine es für klug fand, schonend zu verfahren, dahätten ein Haynau oder Urban gewiß Gründe entdeckt, ausPolitik Weiber und Kinder füsilieren zu lassen. Selbst in denZeiten der härtesten Prüfung hatte der Franzose seineLiebenswürdigkeit und Leutseligkeit nicht verleugnet. JeneEpisode aus der ersten Belagerung, die auch Göthe erzählt,haben wir schon oben erwähnt: sogar auf dem Rückzug ausRußland und nach der Flucht von Leipzig benahm sich derSoldat nicht wüst und wild. Wie stach dagegen das Auf-treten der Fähnriche ab, welche vonGalgenstrick" undKlubbistenvolk" Überflossen! Schon Anno dreiundneunzig nachder Einnahme einer pfälzischen Stadt hatte ein preußischerOberst die als jakobinisch denunzierten Bürger, ja sogareinige Frauen, unter vorgehaltenem Bajonett gezwungen,den Platz, wo der Freiheitsbaum gestanden, mit Kehrbesenzu säubern. Und wie stolz mag das Offizierkorps auf dieHeldenthat gewesen sein. Besonders der preußische Lieute-nant

den mein' ich immer, wenn ich Lieutenant sage,"mit seiner Kombination von Übermut und Hungerleidereiward dem harmlosen und wohlgenährten Bürger ein Zielfür Spott und Abscheu. Ich höre sie noch, die alten Leute,wie sie sich die unsterblichen Geschichtchen erzählten. Stattder Westen, sagte der eine, hatten sie einen Lappen roten