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ländischen Regeneration der Jndifferentismus der Episodenvon 1830 und 1841 gewurzelt hatte, das erhellt ganzaugenscheinlich aus dem urplötzlichen Stimmungsumschlagdes Jahres Achtundvierzig. Beim ersten Lichtblick einergroßen deutschen Zukunft war der ganze Spuk im Nu zer-ronnen, die Erinnerung selbst an die herkömmliche Aus-länderei war wie weggewischt, und Jedem lag es sonnenklarvor Augen: der Instinkt der politischen Freiheit befand sichzum ersten Male auf dem Wege, als er die Idee eineseinigen deutschen Vaterlands empfangen hatte. KeinenAugenblick während der vielgestaltigen Bewegung diesesJahres erhob sich der Schatten der Französelei aus demGrabe, in welches ihn die neue Zeit für immer gebettethat. Ja, was noch mehr ist: alle Schamlosigkeiten dernun folgenden zehnjährigen Reaktion vermochten nicht, denVolkscharakter von dieser Seite zu demoralisieren. Vonallen die einzige Märzerrungenschaft, welche übrig blieb,war die Vereinigung im Geiste mit einer — allerdings nochzu schaffenden — deutschen Nation. Natürlich: es warauch die einzige Errungenschaft, welche nicht großherzoglichenBewilligungen verdankt wurde. Was die Großmut derKrone in ihren Nöten gegeben hatte, das nahm sie alsbaldzurück bis auf den letzten Faden. Und so ist's recht: denngeschenkte Freiheit ist wie des Spielers gewonnenes Geld.Sie kehrt dahin zurück, woher sie gekommen. Nur was dieKrone nicht gegeben hatte, das konnte sie auch nicht nehmen:die Erkenntnis des einzigen Heils für alle Zukunft.
„Ein unglückliches Volk hat kein Vaterland," sagt einRedner der großen Revolution. Man muß aber auch hin-zufügen: ohne Vaterland giebt es kein Volksglück. In diesebeiden sich ergänzenden Sätze faßt sich die Einsicht zu-