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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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sammen, welche wir aus der Verfolgung des bisher ge-schilderten Entwickelungsganges gewinnen wollten. Nichtmüßige Unterhaltung an schon oft erzählten Vorfallenheitenwar unser Endzweck, sondern der praktische Schluß aufVerhältnisse einer brennenden Thatsächlichkeit.

Es ist überflüssig, nachzuweisen, wie nahe die Möglich-keit kriegerischer Ausbrüche vor uns liegt. Königliche Redenerinnern uns oft genug daran, wenn es gilt, die Steuernund die Bataillone zu vermehren. Daß es damit allein nichtgeschehen, fällt den erhabenen Sprechern in ihrer Besorgnisum dieRechte Dritter" nicht ein. Auch mit der bloßenBeseitigung der Ausländerei ist es nicht gethan. NichtsGeringeres kann uns retten, wenn die oft angerufene Ge-fahr einmal hereinbrechen sollte, als der lebendige, feurige,sachbewußte Glaube der Nation an sich selbst. Dazu gehörtaber, daß sie als Nation, als staatliche Einheit vorhandensei. Mit der idealen Einheit der für Gott im Himmelsingenden Zungen ist es ein unfruchtbares Wesen. Schwär-merei und Betrug abwechselnd haben aus dem Nationalitäts-prinzip ein mystisches und abstraktes. Ding gemacht. Sokonnte es nur erscheinen, wenn es von dem Gesamt-begriff, dessen es nur ein Teil ist, losgelöst wurde. DieserGesamtbegriff aber ist nichts anderes als die Selbstherr-lichkeit der Völker: die Freiheit. Daß ein Volk auf seineWeise frei sei, das heißt: Nationalität. Sie wird wie alleErscheinungen des Lebens nur da zur Wahrheit, wo diematerielle Thatsache für die geistige Empfindung die Mög-lichkeit der Existenz schafft. Der dynastische Egoismus hatsich der Nationalitätsfrage, wie aller anderen Probleme,abwechselnd in den widersprechendsten Deutungen bedient.Oft hat er die ganze Sache höhnend abgeleugnet, andereMale wieder hat er dieselbe Sache mit solcher endlosenKonsequenz bejaht, daß jede Quadratmeile autonom werden