wie sollte man sich wundern, daß, wer die Seelen inHimmel oder Hölle, auch die Leiber ins Feuer zu komman-dieren berechtigt sei? Und ist es nicht der menschlichenNatur zu viel zugemutet, zu erwarten, daß ein Fürst, dessenUnterthanen sich ohne Zeichen der Mißbilligung solcher Be-handlung preisgaben, inmitten aller Verführungen und Be-räucherungen seines Hoflebens auf edlere Ansichten hätteverfallen sollen? Wissen wir doch, daß selbst hochbegabteRegenten wie Katharina, und Genies wie Friedrich fürMontesquieu, Rousseau oder Voltaire schwärmen und dabeidas brutalste Willkttrregiment, variiert mit allen Auswüchsenihrer Launen, Leidenschaften und aristokratischen Vorurteile,ausüben konnten. Was läßt sich danach von einem Hanaueroder Waldecker Serenissimus erwarten? Merkwürdig istund war in der europäischen Geschichte nur das ewig Eine:das ist die platte unverwundbare Seele des deutschen Phi-listers. So sehr wir auch nach Symptomen der Indignationsuchen: wir finden nichts, bis daß wir vorgedrungen seienzu dem Dichter von Kabale und Liebe, welcher — bezeich-nend genug, wie Kapp hervorhebt, — den Ausdruck desAbscheus vor dem fürstlichen Menschenhandel einer Aus-länderin und zwar einer ausländischen Dirne in den Mundlegt. Das Pathos des Unwillens, welches im Munde einesdeutschen Gelehrten oder Geistlichen unwahrscheinlich ge-klungen hätte, das macht sich natürlich auf den Lippeneiner englischen Courtisane. Nicht bloß die Masse der übersMeer Verkauften nahm ihr Los als das Gebot einer höherberechtigten Fügung stillschweigend hin, sondern die unterihnen, welche sich berufen fühlten, die daraus erwachseneneigentümlichen Erlebnisse für Mit- und Nachwelt aufzu-zeichnen, welche also über ihrer Arbeit die Nötigung empfindenmußten, dem Ob und Wie der zahlreichen über sie ver-hängten Leiden denkend nachzuspüren, brechen in keinen
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten