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einer Gemarkung, die vom Staat nichts hat als den Namen.Friedrich hatte zunächst — was Hessen-Hanau unmöglichhaben konnte — eine Politik, und diese Politik hieß ihnEnglands Begehren durchkreuzen. Er hatte aber gleich-zeitig mit der allgemeinen Politik auch ein sehr konkretesBedürfnis, nämlich nach einer möglichst starken Armee, unddieser sowohl wie der kaiserlichen thaten die Preß- undWerbeanstalten der kleinen Landesherren beträchtlichen Ab-bruch, so daß nahezu mit Gewißheit anzunehmen ist, auchminder ausgezeichnete Potentaten, als Joseph und Friedrich,würden aus nächstliegendem Interesse dem Unwesen ge-steuert haben.
Eine richtige Veranstaltung kennzeichnet sich dadurch,daß sie möglichst wenig dem jeweiligen Belieben überläßtund, so weit thunlich, alle einzelnen Übergangsformen, diein eine oberste Notwendigkeit ausmünden sollen, selbst zuebenso vielen Notwendigkeiten erhebt. Der viel verschrieeneSatz von dem die Mittel heiligenden Zwecke ist nur des-halb falsch, weil in einem wohlgeordneten Gefüge jedesMittel ein Selbstzweck ist; und ein Lebenssystem, welchessich darauf einließe, eine Hierarchie von über- und unter-geordneten menschlichen Daseinsformen aufzustellen, müßtealsbald über die unabsehbare Treppe seiner Mittelstufen inden bodenlos finstern Keller mystischer jesuitischer Absichtenhinunterstürzen. Gleicherweise ist das jetzt mit etwasübertriebener Verachtung gestrafte ideologische Prinzip inder Natur nur deshalb an sich falsch, weil in ihr allesZweck ist und gar nichts Mittel (oder auch gar nichts Zweckund daher gar nichts Mittel, mit Vater Spinoza zu reden).Faktisch ist die Natur doch Teleologie, denn wo alles inEwigkeit nebeneinander besteht, besteht auch jedes durchdas andere, und es wird nimmer die menschliche An-schauung dieser, wie so vieler anderen endlichen Vorstellungs-