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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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ziehen, wie sie gekommen waren? Sie hinterlassen einengewaltigen, einen immer mehr anwachsenden Niederschlag,und diese angeschwemmte, von anderen Ufern abgerisseneErde lagert sich auf dem neuen Boden, vermengt sich mitihm und ändert seinen Gehalt.

Über die Einwirkungen, welche Paris zu bestimmtengeschichtlichen Epochen vom Ausland her erfahren hat, istniemand im Unklaren. So war es durch die Valois italieni-siert, durch die Philosophen des achtzehnten Jahrhundertsmit englischen Fortschrittsideen genährt worden. Um eineErscheinung dieser Art handelt es sich hier nicht. Holt dieleichtfertige oder die ernsthafte Welt sich ihr Vorb'ld vonaußerhalb, so ist das eine Sache, die offen daliegt und dieman messen kann. Anders, wenn die Durchdringung undBewegung aus der Tiefe nach einem Gesetze des Wachstumserfolgt, das seine Arbeit und seine Wirkungen über eine ganzeungeheure Masse verteilt, und wenn die geistigen Verände-rungen nur mittelbar aus einer physischen Veränderungfolgen, so wie das Eindringen fremder Rassen durch dietausend Maschen des nationalen Gewebes. Hier muß in-dessen eine bedeutsame Unterscheidung gemacht werden. Wennder Zustrom der Fremden nach Paris auf den ersten Blickzwar ungeheure Ziffern aufweist, so beschränkt sich hingegenbei näherer Prüfung die Anzahl derer, die sich der ein-heimischen Bevölkerung mehr oder minder assimilieren, aufeinen weit geringeren Prozentsatz. Die beiden in Paris am stärksten vertretenen Nationen sind die Engländer unddie Deutschen.^) Die eine dieser Nationen nun verläßt

*) Wir lassen die Belgier und die Schweizer außer Acht. Zwar sindsie an Zahl den Engländern in Paris überlegen, doch entstammen sie zu-meist den Grenzgebieten und stehen nach Sprache und Rasse den Franzosenzu nah, als daß es angezeigt wäre, sie als Ausländer im ethnographischenSinne zu behandeln.