— 221 —
kräftung gestorben Ware, und das neue folglich sich nichtins Leben gewagt hätte. Ja, so Wohl ist sich Frankreich des Joches bewußt, das dieser, Masstro Giacomo genannte,Preuße dem Pariser Geschmack aufgelegt hat, daß es ihnbei seinem Tode beinahe für sich in Anspruch nehmen wollte,wie es das mit Karl dem Großen nnd Napoleon I. undin gewissem Sinne auch mit dem Marschal de Saxe ge-macht hat, um nur nicht die Vorherrschaft eines fremdenHelden anerkennen zu muffen. Wird man eines Tagesauch Offenbach ein Leichenbegängnis auf Staatskosten unddie Ehre der Nationalgarde gewähren? Die Gerechtigkeiterfordert es. Ihm ist Paris mit Lachen und Tanzen eben-so Unterthan gewesen wie dem anderen Masstro mit Zitternund Weinen; er hat so gut wie jener die Schöpfungenseiner deutschen Muse unter der Obhut französischer Gewandt-heit und mit deren Zauber angethan lim die Welt reisenlassen.
Die Landsleute dieser berühmten Küustler aber treibenganz andere Dinge in Paris . Zu derselben Stunde, woDu, freuudlicher Leser, Dich nach einer Vorstellung der„Afrikanerin" oder der „schönen Helena" in einem Kabinetdes Oats an^ls-is zu Tisch setzest, stehen am äußersten Endevon Paris Tausende von Deutschen auf, um für die Morgen-toilette Deiner Stadt zu sorgen. Vielleicht ist es Dir schoneinmal im Leben vorgekommen, daß besagtes Souper sichin die Länge zog, und Dir auf dem Heimweg nach Sonnen-aufgang daun Scharen von Straßenkehrern begegneten, derensonderbare Erscheinung Dir auffiel. Die Männer tragenwinters einen Rock von Hundsfell, die Frauen und Kinder— denn auch Frauen und Kinder sind unter der Schar —alte zerlumpte Kattunkleider und rot- oder grünwolleneTücher um den Kopf gebunden. Du brauchst sie nicht erstreden zu hören, schon ihr Ansehen verrät Dir, daß es keine