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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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ist. Wenn sich nur wenigstens in ihrer Heimat nicht nochdie amtliche Thorheit in ihre Angelegenheiten einmengenund dadurch das Übel verschlimmern wollte! Die Weisheitund Sittenstrenge der Obrigkeit gestattet nämlich diesenStiefkindern des Glücks nicht, zu heiraten. Und da dieNatur nicht ganz so vorsorglich und tugendhaft ist wie dieBehörde, so legt sie sich sehr häufig auf recht strafbareWeise ins Mittel und setzt ohne Erlaubnis der hohenObrigkeit Kinder in die Welt. Gleich sehr von Nahrungs-sorgen wie von dem Wunsche gedrängt, sich der Schmachihrer ungesetzlichen Vereinigung zu entziehen, ja oft genugsogar, um ihrem Bunde in der Fremde die Weihe gebenzu lassen, welche das Vaterland ihnen versagte, kommendann die armen Eltern mit ihrer kleinen wilden Hordehierher, nicht selten mit sechs, sieben Kindern. . Wohl-gemerkt: sie verlassen die Heimat nicht ohne Gedanken derRückkehr. Ihr Streben geht einzig darauf aus, sich einSümmchen zusammenzusparen und heimzuziehen, sobald siedie Mittel besitzen, sich in Beureu oder Deinhardstein oderElpenrode oder Butzbach und wie die Ortschaften alleheißen, ein Häuschen und ein Stückchen Land zn kaufen.Zuweilen drückt auch nicht gerade die Not diesen wackerenLeuten den Besen in die Hand, wohl aber der Wunsch,ein in den Anfängen vorhandenes, sehr bescheidenes Ver-mögen abzurunden. Sie besitzen zwar ein kleines Häuschen,aber es lastet eine Hypothek darauf, und so ziehen sie aus,dieChokolade" des Pariser Pflasters abzukratzen, bis siesoviele vollwichtige Sous auf einander gehänft haben, daßsie ihr altes Dach freikaufen können. Sehr selten schlagensie Wurzel in Paris ; wer nicht nach wenigen Monatenstirbt und es herrscht eine große Sterblichkeit in ihrenReihen kehrt mit dem kleinen Hort nach Hause zurück.Nach und nach wirkt dieses Kommen und Gehen wohl auch