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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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Kinder, welche darin sogar ziemlich schnell vorwärts kommen.Die Hessen leben ganz und gar unter sich. Die erstenAnkömmlinge, zu deren Zeit es noch keine Ostbahn gab,hatten sich im Quartier St. Marcel, vorzugsweise zwischendem Panthson und dem Val-de-Grace , angesiedelt; in derFolge, und besonders, seitdem der Sturmbock der Prüfekturin diese alteu Schlupfwinkel Bresche geschlagen, zogen siesich nach Norden, der Richtung der Eisenbahn folgend, diesie ins Vaterland zurückbringt. Hierher gehört noch etwasanderes, womit wir zugleich ein neues Blatt deutschen Lebens in Paris aufschlagen.

Deutschland ist im großen und ganzen ein religiöses,aber kein sehr gläubiges Land. Es ist weniger Glauben,aber mehr religiöse Überzeugung dort zu Hause als anderswo;man stößt nicht leicht auf Väter, die Jünger Voltaires sindund dabei die Erziehung ihrer Kinder Mönchen anvertrauen,wie das in Frankreich geschieht. Unter den Studierten inDeutschland zählt man mehr Atheisten als in der ganzenübrigen Welt. Allerdings sind Strenggläubigkeit uud pro-testantischer Mystizismus nicht ohne Macht, besonders inden hohen amtlichen Kreisen, sehen sich aber mehr oderminder durch die unmittelbare Nähe einer Kritik gehemmt,welche Schonung weder giebt noch fordert. Sie auchwandern gern aus, um sich auf fremdem Boden der Landes-kinder zu bemächtigen, die von der zersetzenden Atmosphäreder Heimat hier unberührter geblieben sind. Die Missionareder in Deutschland sogenannten lutherischen PietistischenKirche haben unsere Kolonie hessischer Straßenkehrer zueiner Art von protestantischem Paraguay gemacht, dessenDoktor Francia ein Pastor namens Bohelschwingh war,ein Bruder des ehemaligen preußischen Ministers.

Wir müssen sofort hinzufügen, daß das Werk dieserPropaganda durchaus achtungswert ist, mag man im übrigen