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lichkeit. Cormenin hat dies in seinen Worten über Boernevortrefflich ausgedrückt: „Er liebte Frankreich als seinzweites Vaterland, er liebte Frankreich im Interesse Deutsch-lands ." Das politische, soziale und litterarische LebenFrankreichs fand in Deutschland mächtigen Widerhall, alsMänner von solchem Range, deren eigenartiger und be-zaubernder Stil allein schon die Leser anzog, Sorge trugen,es den Deutschen nahe zu bringen. Jene Briefe und Bücher,welche von den Menschen und Dingen, den Salons undStraßen, den Kämpfen des Pariser Lebens erzählten, derenVerfasser in ihren täglichen Beobachtungen sozusagen wissen-schaftlicher verfuhren als der Franzose selbst, machten dieDeutschen mit allen älteren und gegenwärtigen Ideen desLandes bekannt, weihten sie bis auf die kleinen Anekdotenvon Stadt und Hof herab in das französische Leben einund haben bewirkt, daß noch jetzt der gebildete Deutsche Paris betritt wie sein Eigentum, im voraus mit der ganzenÜberlieferung und Topographie des Ortes vertraut. NachBoerne und Heine kam die Gewohnheit auf und bestandeinige Zeit, daß jeder schriftgewaudte Landsmann, der nachParis kam, seinen Band Briefe drucken ließ. Es wurdeeine ganze Sammlung daraus. Karl Gutzkow , das Hauptdes seiner Zeit sogenannten „jungen Deutschlands " (daseine entfernte Ähnlichkeit mit der französischen romantischenSchule hat) beschenkte uns so gut wie die anderen miteinem Band „Briefe aus Paris". Wiederholt versuchtenes diese litterarischen und politischen Kreise, ein periodischesOrgan in deutscher Sprache zu gründen; es gelang niemals.Will der Deutsche sich mit den französischen Dingen bekanntmachen, so schöpft er, hüben wie drüben, lieber gleich ander Quelle, die ihm zugänglich ist, sobald er nur über einbescheidenes Maß geistiger Bildung verfügt. Um seineeigenen Angelegenheiten kennen zu lernen, greift er lieber