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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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unter anderen den berühmten Russen Bakunin , den Ehren-bürger aller Revolutionen, zu seinen Mitarbeitern zählte.Guizot ließ die Redakteure ausweisen; mit der Redaktionwäre es auch ohne ihn bald zu Ende gewesen. Seither istkein ernstlicher Versuch wieder gemacht worden, ein deutschesOrgan in Paris zu gründen. Von Zeit zu Zeit wurdewohl noch eine kleine Zeitung in die Welt gesetzt, aberniemals fiel das Unternehmen auf guten Boden, und seineAussichten, denselben je zu finden, verringern sich tagtäglich.Die Amnestien, Deutschlands neuerwachtes politisches Lebenhaben nach und nach fast alle zurückgerufen, die nicht ent-weder mit unauflöslichen Banden an Frankreich geknüpftwaren oder für ihr Vaterland nichts mehr empfanden. AuchParis war ihnen begreiflicherweise nicht mehr das Paris früherer Tage, weder so gastlich mehr, noch so reizvoll, nochdie Schule, die es gewesen.

Heutzutage haben die in Paris lebenden Deutschenkeinen geistigen Mittelpunkt. Man hat wohl versucht, demTurnverein ein wenig Schwung zu geben, aber bis jetzt istes diesem nicht gelungen, und kaum wird es ihm jemals ge-lingen, diejenigen Elemente in genügendem Maße zu ver-einen, deren es zur Erfüllung einer großen Aufgabe be-darf. Das kleine Theater der Salle Beethoven ist nochum vieles unbedeutender und nie über ein klägliches Daseinhinausgekommen. Vielleicht hätte eine Veranstaltung, diesich einzig auf die Zerstreuungen des geselligen Lebens ge-richtet, bessere Aussichten gehabt, weil sie vielleicht dasunter den Deutschen in Paris so stark vertretene kauf-männische Element angezogen haben würde. Aber als vorvier oder fünf Jahren eine große Anzahl der tonangebendenPersonen der Kolonie den Gedanken faßte, einen Lsrols zngründen, scheiterte der Plan daran, daß die Polizeipräfekturdie Erlaubnis verweigerte. Da man nicht recht wußte,