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Wolken vor sich hinbläst oder feierlich an einem Riegelhängt, der an ein ehrwürdiges Brett geschraubt ist. Vonden Tempeln des Bierkönigs Gambrinus ist der GrandBalcon der vornehmste. Seit einiger Zeit hat das WienerBier auf dem Platz am neuen Opernhause seine Zelte auf-geschlagen und will dem Münchener vom Boulevard desItaliens deu Rang ablaufen. Es bleibt abzuwarten, werhier den Sieg davon tragen wird, das Bier aus dem LandeMozarts oder das aus Richard Wagners Reich. Dringtman weiter nordöstlich vor, bis auf die Höhe des FaubourgPoissonnisre, so lassen sich diese Studien durch die gauzegesellschaftliche Stufenleiter hindurch verfolgen. Manchejener Gastwirtschaften stehen mit Nebengeschäften in Ver-bindung, wo Sauerkraut und Würstchen, diese allen wohl-gearteten Herzen so teuren Gerichte, feilgehalten werden.Die Bayern und Frankfurter haben das Gebiet des Flüssigenin Pacht genommen, das Feste füllt den Wienern zu. Indiesen Lokalen bildet der in Paris ziemlich zahlreich ver-tretene deutsche Malschüler die Blüte des Publikums, dasgrobe Material liefert der Haudlungsgehilfe. Früher wares auch unter den deutschen Studenten der Medizin, denenihre Mittel dies erlaubten, üblich, zur Vollendung ihrerStudien auf ein bis zwei Semester nach Paris zu kommen.Jetzt aber soll sich diese Gewohnheit verlieren. Ob dasnun dem Aufschwung der dortigen oder dem Rückgange derhiesigen medizinischen Fakultäten zugeschrieben werden muß,ist schwierig zu entscheiden und entzieht sich unserer Beur-teilung. Indessen hat sich unter den jungen Ärzten derGebrauch erhalten, eine kürzere Zeit, die etwa für denBesuch der Krankenhäuser und Kliniken ausreicht, in Paris zuzubringen, und dieser Umstand hat in Verbindung mitdem anderen, daß sich ungefähr zwanzig deutsche Ärztedauernd in Paris aufhalten, die besonders ihre Landsleute
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