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lichen Dienstboten haben wir dann noch den klassischendeutschen Gasthofskellner. Auch sein Name ist Legion; erbedient in allen Gasthöfen ersten und zweiten Ranges, fehltaber vollständig im Cafs und Restaurant. Dort bedarf mandes Franzosen . Der lärmende Possenreißer und kurzweiligeFant, dieser staunenswert bewegliche Überall und Nirgendwo,das naseweise Faktotum, welches geradewegs von der Bühnedes Palais-Royal herabgestiegen zu sein scheint, um sichvon da aus erst über die nächste Umgebung der Arkadenund dann über ganz Paris zu verbreiten, bildet eine be-sondere Figur des gallischen Repertoires. Hingegen ist derdienstbeflissene, unterwürfige, zurückhaltende Gasthofskellner,der nichts sagt, dafür aber mit der Sprache und den Lebens-gewohnheiten von drei oder vier Nationen vertraut ist,fast ausnahmslos von deutscher Herkunft. Der Franzoseist ein gewandter erfindungsreicher Diener und versteht wiekein anderer, dem Gaste im kritischen Augenblick ohne vielBesinnen einen Ausweg aus einer Verlegenheit zu öffnen;der Deutsche ist umsichtig, vorbedacht, sorgsam; von vorn-herein widmet er sich der Aufgabe, es dem Gaste behaglichzu machen. Aus dieser Naturverschiedenheit erklärt sich diegroße Überlegenheit der deutschen Badeorte. Überall wirdder Fremde gerupft, aber nur in Deutschland beutet manihn mit Ehrerbietung aus. Wenn der germanische Stammerst das rechte Maß für ein Bett und eine Tasse Kaffeegefunden hat, wird er an der Spitze der europäischen Gast-lichkeit marschieren. Der Beruf des Kellners nimmt übrigensin der gesellschaftlichen Rangordnung eine so hohe Stufeein, daß junge Leute aus guter Familie sich nicht schämen,die elegante Jacke anzulegen, unter dem Vorbehalt, sie einst-mals mit dem hochachtbaren, vornehmen Frack des Ober-kellners zu vertauschen, den die Gäste feierlich mit Herranreden. Es kommt sehr häufig vor, daß ein Millionär,