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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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Deutschen . Die großen französischen Häuser sind mit derZeit fast sämtlich verschwunden; man denke nur an dieLaffitte, Gouin, Ganneron, Leroy de Chabrol und wievieleandere! Läßt man die Aktien- und Kommandit-Gesellschaftenaußer Acht, so findet man unter der Kants ünane« nurwenige Leute von rein französischer Herkunft: fast alle sindSchweizer oder Deutsche , eine Eigentümlichkeit, die ininnigem Zusammenhange mit dem Nationalcharakter steht.Dieselbe Ursache, welche den Franzosen abhält, fremdeSprachen zu lernen oder überhaupt auf irgend eine Artaus seiner Persönlichkeit herauszugehen, macht ihn wenigergeschickt zu solchen Geschäftsunternehmungen, deren sehr zu-treffend alsArbitrage " bezeichnete Hauptverrichtung ineiner beständigen Ausgleichung sämtlicher in der ganzenWelt vorhandenen Kursverschiedenheiten besteht. Die zueiner solchen Wachsamkeit erforderliche Ubiquität und Welt-kenntnis vertragen sich nicht mit einer derartig in sich selbstgeschlossenen und gesättigten Sinnesweise. Der Franzose,welchen vor allen Dingen Klarheit, Genauigkeit, kurzum dieGabe der Analyse auszeichnet, eignet sich nicht in gleichemGrade für Kombinationen, die sich über ein unendliches Ge-biet verbreiten, er ist ein Spieler, d. h. er macht seineBerechnungen an Ort und Stelle, er ist kein Spekulant indie Ferne. Dieselbe Erscheinung wiederholt sich im Waren-handel. Gilt es, ein Geschäft mit dem Auslande abzu-schließen, so erhebt er zumeist den Anspruch, daß der Kon-trahent zu ihm komme und in seiner Sprache, seinen Maßenund Münzen mit ihm verhandle. Der Pariser Fabrikantoder Importeur führt in seinen Beziehungen zu anderenLändern nicht nur den Briefwechsel in französischer Sprache,er verlangt auch, daß sein Konto auf Franken, Meter undKilogramme laute; am anderen ist es, sich anzubequemenund sich zu übersetzen, und er läßt sich nicht lange darum