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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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bitten, denn diese Unterwerfung ist selber noch eine Waremehr, die so teuer wie möglich verkauft wird. Für denDeutschen , den jede neue Verwandlung seines Wesens be-glückt, ist solch ein Geschäft ein wahrer Fund, nnd Tausendevon Zwischenmännern wissen sich in Paris eine Quelle desGewinns zu schaffen, indem sie den Binnenhandel auf dieseArt mit den äußersten Grenzen der Erde in Verbindungsetzen. Seitdem die satirische Litteratur sich darauf be-schränkt sieht, ihre Nahrung nur mehr von den Nebengebietendes öffentlichen Lebens zu holen, seitdem durch ein sicherlichnicht zufälliges Zusammentreffen die Welt des Börsenspielsdie Zielscheibe der sozialen Kritik geworden ist, ist auchder deutsche Börsenmann zu der Ehre eines wie dieEngländer sagenöffentlichen Charakters" gelangt.Im ganzen gilt er für ungemein gewandt und für einenausgemachten Baissier. Es ist etwas Wahres an beidem.Eine Charakterstudie, welche den Börsenspieler der ver-schiedenen Länder zu ihrem Gegenstande nähme, würde einesFührers durch Europa wenn dieser einst als Fortsetzungdes Führers durch Paris erscheinen soll würdig sein.

Haben die Deutscheu auf diesem so viel geschmähtenund so viel umworbenen Gebiete den Zeitungsschreibernund Sittenpredigern ihren Beitrag an Stoff geliefert, sogiebt es doch noch manch anderes Feld des nationalenLebens, auf dem sie sich einen weit größeren Anteil an demwahren Verdienst und dem schönsten Ruhme zugeeignethaben. Im Studium der altfranzösischen Sprache undLitteratur sind sie in gewissem Grade sogar die Vorläuferder Franzosen selbst gewesen, was sich aus der ganz be-sonderen Beanlagung des deutschen Gehirns für philologischeArbeit jeglicher Art erklärt. Die jüngste der Wissenschaften,die Sprachwissenschaft, ist eine deutsche Schöpfung. Sobalddieselbe entdeckt hatte, daß alle Sprachen Schwestern seien,