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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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zauderte sie nicht, ihre Entdeckung praktisch zu verwerten,und sie hat es darin jener anderen so lange schon anerkanntenund weniger denn je geübten Theorie, daß alle MenschenBrüder seien, gar sehr zuvorgethan. Die deutsche Gelehr-samkeit hat sich ebenso liebevoll in das Studinm der fran-zösischen Sprache versenkt, wie sie sich dem Kultus dereigenen weiht, auch die ganze französische Litteratur dervergangenen Jahrhunderte erforscht und erläutert. Gleich-wie Schiller nnd Goethe es nicht verschmähten, Racine,Voltaire zu übersetzen, so stiegen auch Schlegel und Uhlandbis zu den tiefen Wurzeln der französischen Litteratur hinab.Die Fabliaux und Romans sind das Ziel eingehendstenStudiums gewesen. Noch heute gilt ein Deutscher, Diez,in Bezug auf proven^alische Sprache und Poesie und alles,was für die Zeit der Troubadours charakteristisch ist, überallals erste Autorität. Ein anderer Gelehrter, Brinckmeier,hat diese Studien in einem WerkDie provenyalischenTroubadours, ihre Sprache, ihre soziale Stellung, ihr Lebenund ihr Einfluß" fortgesetzt. Eine unter Lemckes Leitungin Leipzig erscheinende periodische Sammelschrift beschäftigtsich ausschließlich mit romanischer und englischer Sprache.Männer, die unter Deutschlands Dichtern und Schriftstellerneinen hohe» Rang einnehmen, haben die proven?alischen undbretonischen Dichtungen übersetzt; wir nennen nur Schack,Paul Heyse, Hartmann und Pfau. Zu guterletzt dürfenwir auch die stetige, starke Teilnahme der Deutschen an denForschungen orientalischer Philologie in Frankreich nicht mitStillschweigen übergehen; welch glänzenden Anteil an diesenstellen nicht in Paris die Namen Mohl, Oppert, Munk,Derenbonrg dar!

Steigen wir von jenen Höhen der Wissenschaft in dasReich der Tageslitteratur herab, so finden wir hier eben-falls eine beträchtliche Anzahl Deutscher als Mitarbeiter an